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Übertriebene Tierliebe

Wo beginnt Tierliebe und wo hört diese auf?

Wie bereits auf der vorausgehenden Seite erwähnt, kann der Umgang mit einem Heimtier für ein heranwachsendes Kind durchaus mit psychologischen Aspekten verknüpft sein, welche das spätere Leben des heranwachsenden Menschen positiv beeinflussen. Sei es, dass es sich beim Heimtier um einen Hund handelt, der vom Kind als zugehörig zum Familienverbund akzeptiert wird oder sei es ein anderes Heimtier, das als tierischer Sozialpartner einen festen Platz einnimmt. Verständnis und Verantwortungsbewusstsein gegenüber tierischen Lebensformen können hier fürs spätere Leben geprägt werden. Doch diese förderliche Wirkung wird nur dann erreicht, wenn das Heimtier nicht durch übertriebene Tierliebe zum Maskottchen der Familie degradiert wurde oder ein anderes Fehlverhalten vorlag, wie die Vernachlässigung von Heimtieren durch fehlendes Verantwortungsbewusstsein des Halters.

Wo hört nun normale Tierliebe auf und wo fängt übertriebene Tierliebe Vermenschlichung an? Die Grenzen für den Beginn übertriebener Tierliebe sind recht fließend. Bei einem Hund, der neben Frauchen oder Herrchen mit auf der Couch im Wohnzimmer liegen darf, werden diese Grenzen bereits verletzt, auch wenn dieses von dem einen oder anderen Hundehalter noch als Bagatelle abgetan wird. Doch für einen Hund, der sich artgerecht in sein menschliches Rudel eingliedern soll, bedeutet ein gleichberechtigter Platz neben seinem menschlichen Alpha-Tier bereits ein Durcheinander in der Rangfolge. Ist es nicht nur die Couch, sondern eventuell sogar noch ein Platz im Bett, werden hier von Seiten des Menschen hierarchische Stufen gröblichst verletzt, insofern Frauchen oder Herrchen dem Hund dies mehrfach durchgehen lässt. Im Endergebnis wird sich so ein Hund dazu veranlasst fühlen, von nun an das menschliche Ersatzrudel anzuführen, womit Auseinandersetzungen oder Verhaltensstörungen vorprogrammiert sind.

Allerdings kann ein gemeinsamer Liege- und Schlafplatz nicht grundsätzlich für Verhaltensstörungen verantwortlich gemacht werden und spricht auch nicht in jedem Fall für eine Vermenschlichung. So gibt es auch Obdachlose, die sich ihren Schlafplatz mit einem Hund teilen und wo derartige Störungen nicht auftreten. Auch die Höhe des Schlafplatzes des Alpha-Tieres "Mensch" ist letztendlich relevant und ebenso die Gestaltung des restlichen zeitlichen Miteinanders. Beim Obdachlosen ist das die Zeit vom Erwachen bis zum erneuten Aufsuchen des nächtlichen Ruhelagers. Bei berufstätigen Rudelmitgliedern eventuell eine kurze Zeit des Schimpfens und des Gassi-Gehens, sowie ein vielstündiges Alleinlassen und Vernachlässigen. Was in 22 Stunden durch auf der Couch liegen, mit im Bett schlafen und sich selbst überlassen täglich versaut wird, kann in 2 Stunden nicht repariert werden. Letztendlich leiden Tier und Mensch oftmals gleichermaßen unter diesen Zuständen. Echte Tierliebe wäre es in diesem Fall gewesen, sich keinen Hund anzuschaffen.

Wenn die Vermenschlichung neben dem gemeinsamen Lagerplatz noch weitere Auswüchse annimmt, verkehrt sich vermeintliche Tierliebe mehr oder weniger ins Gegenteil. Völlig bewusst von einer Form der übertriebenen Tierliebe kann gesprochen werden, wenn diese vermeintliche Tierliebe von der Darreichung völlig unangebrachter Leckerlis, über das Färben von Fell, dem Scheren von fragwürdigen Frisuren, bis zur Einkleidung mit modischen Jäckchen, Schleifchen oder anderen Schnickschnack reicht. Ein Hund wäre am liebsten Wolf geblieben oder zumindest eine vitale Zuchtform, mit einem Fell, welches ihm gestattet bei Wind und Wetter draußen in der freien Natur herum zu toben und kann sich garantiert nicht über derartige modische Dinge erfreuen. Hier ist es der Mensch, der ein Tier nicht als tierisches Wesen sieht, sondern als eine Verwirklichung seiner Phantasien und seines Geschmackes, so krankhaft beides zuweilen auch sein mag. Ein besonderes Thema in diesem Zusammenhang sind die sogenannten Qualzuchten und deren Verbot, sowie die zunehmende Zahl von Tierfriedhöfen.

Wie der Einzelne zu Tierfriedhöfen steht, ist gewiss ein Streitthema der besonderen Art und wird es noch auf unbestimmte Zeit bleiben. Sicherlich, mit einem Tier kann man sich anfreunden. Die sich daraus ergebene Beziehung kann über Jahre wachsen. Ob ein Kind dann einen verstorbenen Wellensittich im heimischen Garten beisetzt, oder eine ältere Dame ihre verschiedene Katze auf einem Tierfriedhof bestatten lässt, ist eigentlich nicht relevant, wenn auch eine Form der übertriebenen Tierliebe. Warum?

Ja warum? Weil Tierliebe sich über die Liebe zu Tieren manifestieren sollte. Nicht zu einem einzelnen Tier wohl bemerkt, sondern zur Tierwelt als solche. Einfacher ausgedrückt, die Liebe zu Tieren und die Liebe zur Natur sollten dabei einer gemeinsamen Wurzel entspringen. Wer sich aktiv für den Naturschutz oder für den Tierschutz einsetzt, sei es beruflich oder ehrenamtlich, kann von sich aus mit Fug und Recht behaupten, ein Naturliebhaber oder ein Tierfreund zu sein. So ist ein Tierfreund nicht derjenige, der einen scheinbar verlassenen Jungvogel aufliest und mit nach Hause nimmt, ohne erst einmal in aller Ruhe einige Stunden den Jungvogel zu beobachten, ob dieser denn auch wirklich verlassen ist. Ein Tierfreund ist vielmehr derjenige, der sich aktiv dafür einsetzt, dass 100 weitere Brutvögel eine bessere Chance haben, ihren Nachwuchs mit geringeren Verlusten aufzuziehen.

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