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Übergewicht bei Haustieren

...dick, rund und fettleibig

Jeder ältere Einwohner Deutschlands kennt wohl den Spruch "Wie der Herr, so's Gescherr", doch kennt auch jeder die sinngemäße Bedeutung dieser Worte? Oft wird bei dieser Redewendung irrtümlich das Wort Geschirr statt Gescherr verwendet, wobei dann weniger das Geschirr im Küchenschrank gemeint ist, sondern vielmehr das Geschirr zum Anspannen der Pferde. Gescherr soll hingegen in der ursprünglichen Aussage soviel wie Sklaven oder Leibeigene bedeutet haben.
Ob Geschirr oder Gescherr, die eigentliche Bedeutung ändert sich wenig. In jedem Fall ist damit gemeint, wie der Herr, so seine Untergebenen und seine Tiere. Hält der Herr keine Ordnung, schlampern auch die Untergebenen. Isst sich Herrchen oder Frauchen dick und rund, neigen auch zum Haushalt gehörende Hunde oder Katzen zum Übergewicht. Und so werden nicht nur die Deutschen immer dicker, runder und fetter, sondern auch in deutschen Haushalten gehaltene Heim- und Haustiere. Auf diesen unerfreulichen Umstand verwies auch im September 2010 der Bundesverband für Tiergesundheit in einer PM, um auf die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht bei Hunden und Katzen aufmerksam zu machen.

Doch nicht nur in Deutschland werden Frauchen, Herrchen und zugehörige Haustiere immer dicker, runder und fettleibiger, in vielen anderen Ländern der zivilisierten Welt sieht es nicht wesentlich anders aus. So in Australien, wo sich bereits vor Jahren die Königliche Gesellschaft zur Vorbeugung von Grausamkeit gegen Tiere (RSPCA) der Sache annahm. Plagen sich in deutschen Landen beinahe die Hälfte aller Hunde und Hauskatzen mit Gewichtsproblemen, so sieht es in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht wesentlich anders aus. Immerhin ergab eine Studie, durchgeführt im Jahre 2006 von der US-Gesundheitsbehörde (FDA), dass 41 Prozent aller Hunde in den Staaten übergewichtig sind.

Dick und rund gefütterte Haustiere mögen Frauchen oder Herrchen nicht stören, zumindest dann nicht, wenn Frauchen oder Herrchen selbst unter Gewichtsproblemen leidet und diese Probleme dann oftmals bagatellisiert. Doch ob bei Mensch, Hund oder Katze, Übergewicht kann zu gesundheitlichen Problemen führen und Fettleibigkeit (Adipositas) begünstigt viele Krankheiten.
Einige Tierhalter mögen das erforderliche Verständnis aufbringen, wissen nur nicht so recht, wie sie mit ihren eigenen Pfunden und mit den Pfunden ihrer vierbeinigen Untermieter umgehen sollen. Anessen fällt immer leichter als abspecken. Andere sind sich hingegen sicher, ihren vierbeinigen Freunden aus reiner Tierliebe nur Gutes zu tun. Nur leider, mit Tierliebe hat es weniger zu tun. Genau genommen handelt Frauchen oder Herrchen ganz und gar nicht aus Tierliebe, wenn ein Haustier dick und rund gefüttert wird, sondern eher dem Tierschutz zuwider. Wie heißt im Tierschutzgesetz:

§ 2 Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren,...

3. muss über die für eine angemessene Ernährung,... ...des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.


Wer ein Haustier dick und rund füttert, so das es zur Fettleibigkeit neigt oder bereits fettleibig ist, beweist eigentlich weniger seine Tierliebe, sondern gibt lediglich zu erkennen, dass er weder das Tier seinen Bedürfnissen endsprechend angemessen ernährt, noch im ausreichenden Maße über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt.

Harte Worte, doch in Anbetracht der möglichen Folgen, können diese Worte beinahe gar nicht eindringlich genug sein. Zu den Möglichen Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Mensch und Tier gehören:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • erhöhter Gelenkverschleiß
  • Diabetes
  • diverse Stoffwechselstörungen
  • Erkrankungen der Atmungsorgane
  • Hauterkrankungen
  • Verkürzung der zu erwartenden Lebensspanne

Wobei diese kleine Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Obwohl kein Heimtierhalter seinen vierbeinigen Sozialpartner krank füttern möchte, kommt es doch leider viel zu häufig vor. Doch Übergewicht kommt nicht von ungefähr. Beinahe ausnahmslos ist es ein verhängnisvolles Zusammenspiel von Bewegungsmangel gepaart mit einem Überangebot an energiereichem Futter. Nur in selten Fällen lassen sich alle überflüssigen Pfunde auf genetische Veranlagung abwälzen.

Es gab Zeiten, da planten Hundezüchter für größere Hunde einen Hungertag (Fastentag) ein. Es wurde viel darüber diskutiert, wie sinnvoll oder wie sinnlos so ein Fastentag für Hunde ist. Schaden kann ein Hungertag pro Woche keinen größeren Hund, zumindest dann nicht, wenn dieser vollends ausgewachsen ist. Nutzen bringt ein Fastentag vermutlich ebenso wenig. Statt einen Hund an sechs Tagen in der Woche fett zu füttern, nur um ihn dann am siebenten Tag fasten zu lassen, kann die erforderliche Futtermenge gleich auf sieben Tage in der Woche verteilt werden.
Das Problem bei der Angelegenheit, ein Hund weiß nicht, dass es an sieben Tagen in der Woche Futter gibt und wird stetig auf Vorrat fressen. Somit liegt es allein am Hundehalter, einen Hund ausreichend aber nicht übermäßig zu füttern. Bei Katzen sieht es nicht wesentlich anders aus. Ob Hund oder Katze, beide verfügen über einen Organismus, der darauf ausgelegt ist, sehr viel Nahrung durch Bewegung zu verbrennen. Laufleistungen von mehr als 20 km pro Tag sind eher durchschnittlich für einen Wolf. Bei vielen Hunderassen würde ein Vergleich hinken, bei Rassekatzen ebenso, dennoch benötigen alle Haustiere der Art entsprechend ausreichend Bewegung.

Ein weiteres "schwergewichtiges" Problem ist vorprogrammiert, wenn sich ältere Menschen ein Haustier als Sozialpartner zulegen, selbst aber nicht mehr die aktivsten Zeitgenossen sind. Einer Katze kann in diesen Fällen noch ausreichend Freilauf gewährt werden, doch wie verfährt ein älterer Rentner mit einem Hund? Statt viel Bewegung ausreichende Futtermengen und zusätzlich Leckerlis, bis der Hund sich dann früher oder später auch nur noch nach Ruhe sehnt? Der vernünftigere Weg wäre in diesem Fall, sehr sorgfältig eine Rasse mit verhältnismäßig geringen Bewegungsdrang auszuwählen.

Doch was, wenn ein Haustier bereits zu Übergewicht neigt und langsam beginnt dick, rund oder gar fettleibig zu werden?

Als erster Schritt sollte ein Hunde- oder Katzenhalter in diesem Fall dafür sorgen, dass sich der Hund oder die Katze mehr bewegt. Als zweiter Schritt sollte die Ernährung in kleinen Schritten den tatsächlichen Bedarf des Tieres angepasst werden. Die Anpassung sollte dabei nicht nur durch eine Reduzierung der Menge, sondern auch über eine ausgewogene Zusammensetzung der Nahrung erfolgen. Ist die Fettleibigkeit bereits weit fortgeschritten, sollte ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Nur ein Veterinärmediziner kann richtig einschätzen, ob zusätzlich zu einem Diätprogramm noch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll erscheint. Besser ist es in jeden Fall, ein Haustier erst gar nicht dick und rund zu füttern.
 

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