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Eine
Welt voller Paradoxien
Tierliebe kritisch betrachtet
Ob in Deutschland oder anderen hochentwickelten
Industrienationen, wir leben in einer Welt voller Paradoxen, wenn es um den Umgang mit
Tieren geht. Fassen wir uns an die eigene Nase und bleiben in Deutschland. Oftmals wird
die Tierliebe der Deutschen erwähnt, die sich in statistischen Zahlen widerspiegelt,
welche im 8-stelligen Bereich bei den in privaten Haushalten gehaltenen Heim- und
Haustieren liegen. Diese übernehmen oftmals die Rolle eines Sozialpartners für
alleinstehende Menschen oder eines Spielgefährten für Kinder. Nur allzu oft werden
Heimtiere von ihren Besitzern dabei vermenschlicht, von artgerechter Haltung kann in
diesen Fällen kaum noch die Rede sein.
Dort, wo zwischen Mensch und Tier eine Bindung als
Sozialpartner eingegangen wird, ist diese Bindung von Seiten des Menschen oftmals so
stark, dass der Verlust im Todesfall des Heimtieres beinahe ebenso schmerzlich empfunden
wird, als wäre ein enger Verwandter von uns gegangen. Als Erinnerung an den verstorbenen
Sozialpartner reichen einige Fotos oftmals kaum noch aus. Nachträglich angefertigte
Ölgemälde von Lieblingskatzen zieren so manches Wohnzimmer und die Beisetzung von Hunden
auf Hundefriedhöfen ist für viele Tierliebhaber bereits eine Selbstverständlichkeit.
Doch die Vermenschlichung von Tieren beginnt bereits zu Lebzeiten vieler Heimtiere. Ein
gutes Hündchen lebt halt erst dann so richtig gut und gesund, wenn es eine schicke Frisur
erhält, eventuell mit eingefärbtem Fell, dass passende Mäntelchen darf dazu nicht
fehlen und wer es sich von den Haltern leisten kann, der lässt auch noch das Halsband mit
Edelsteinen bestücken. Tiergerechte Nahrung ist möglicherweise dann auch fehl am Platz.
So ein herausgeputztes Kätzchen oder Hündchen soll ja nicht fressen wie ein barbarisches
Raubtier, etwas Schokolade oder andere Leckerlies erscheinen dem Halter dann oftmals viel
angebrachter. Und ganz selbstverständlich sollte so ein beinahe menschliches Wesen nicht
mit unerzogenen Artgenossen Kontakt halten, es könnte ja ein Floh oder anderes Ungeziefer
überspringen.
So sieht die übertriebene Tierliebe der Deutschen in vielen Fällen auf der einen Seite
aus. Dem gegenüber stehen auf der anderen Seite nicht nur überquellende Tierheime, in
den unzählige Heim- und Haustiere nach einer Odyssee von Vernachlässigung oder gar
erlitten Qualen ihr Dasein fristen, teilweise auf Grund ihres Alters oder anerzogenen
Verhaltensstörungen kaum noch an neue Besitzer vermittelbar sind, sonder auch noch
weitere Paradoxen. Eines dieser Paradoxien ist, dass der eine oder andere vermeintliche
Tierliebhaber, der sein Hündlein oder Kätzchen liebevoll umsorgt, noch nie im Leben
über das Steak auf seinen Teller oder das Ei zum Frühstück nachdachte.
In der modernen industriellen Tierhaltung gibt es kein Tier mehr, dem man das Recht
zugesteht, als Tier behandelt zu werden. Hier ist nicht mehr die Rede vom Huhn das ein Ei
legt, hier ist die Rede von Legeeinheiten, welche in turnusmäßigen Zeitabständen
erneuert werden, so wie die Legeleistung nachlässt. Diese Erneuerung geht dabei im
wesentlichen genauso sachlich vonstatten, wie der Wechsel einer leeren Druckerpatrone. Das
Tier ist kein Tier mehr, sondern ein Mechanismus in einer Kette von Bestandteilen einer
Produktionsanlage.
Ob Huhn, Lamm, Rind oder Schwein spielt vom Prinzip keine Rolle. So kann auch ein
Kaninchen als Spielgefährte für Kinder einen Namen erhalten und mit viel Tierliebe
behandelt werden. Millionen seiner Geschwister landen dennoch auf dem Mittagsteller und um
den Nachschub zu gewährleisten, müssen ebenso viele Kaninchen eigens zu diesem Zweck
für den Nachschub eingeplant werden. Dieser Nachschub muss vor allen eine Eigenschaft
besitzen, er muss sich kostengünstig produzieren lassen.
weiterlesen: Aspekte der Heimtierhaltung | Übertriebene Tierliebe
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