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Zuchterfolge
mit dem Guppy
Zierfische fürs Gesellschaftsbecken
Neben dem Neonsalmler zählt der Guppy zu den beliebtesten Zierfischen
in der Welt der Aquarianer. Kaum ein Wunder, denn während der Neonsalmler seit
Jahrzehnten den ersten Platz unter den meistverkauften Aquarienfischen weltweit einnimmt,
so ist es der Guppy, mit dem viele Anfänger ihre ersten Zuchterfolge feiern können. Der
Guppy, dessen lateinischer Name im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte zwischen der
Benennung Poecilia reticulata, Girardinus guppyi, Lebistes reticulatus und weiteren
Synonymen auf Grund von wissenschaftlichen Identitätsproblemen wechselte, ist im
mittleren und südlichen Amerika beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet
erstreckt sich von den kleinen Antillen über Venezuela bis zum nördlichen Brasilien. Auf
Grund dieses großen Verbreitungsgebietes variieren bereits freilebende Guppys in Form und
Farbe. Noch mehr Variationen bemühte sich der Mensch zu kreieren, ein Vorgang der noch
nicht abgeschlossen ist.
Bleibt die Frage, ob es noch zeitgemäß ist die Natur unbedingt übertreffen zu wollen,
da es sich letztendlich beim Guppy um eine tierische Lebensform handelt und nicht um eine
Orchidee oder eine andere Pflanze. Ein Vergleich mit bereits seit Jahrtausenden
domestizierten Nutztieren wäre ebenfalls unpassend, obwohl der Guppy bereits weltweit zur
chemielosen Moskitobekämpfung eingesetzt wird. Die Frage, ob es nicht viel interessanter
wäre, die natürliche Artenvielfalt und Verhaltenweisen der einzelnen Arten weiter zu
erforschen, muss letzten Endes jeder ernsthafte Aquarianer für sich allein beantworten.
Wobei dem Hobbyzüchter und privatem Aquarianer ohnehin kaum eine Wahl bleibt, insofern er
seine Guppys in einer zoologischen Fachhandlung oder direkt von anderen Guppyzüchtern
erwirbt. Doch auch beim rein privaten Aquarianer sollte die Freude am Halten und Züchten
von vitalen Zierfischarten im Vordergrund stehen. Jegliches Bestreben möglichst exotisch
anmutenden Variationen zu erwerben, hat nichts mit Tierliebe gemein.
In diesem Zusammenhang ist es zumindest interessant wissen, dass es auch in Deutschland
einige freilebende Guppypopulationen gibt. Die hiesigen Vorkommen beschränken sich dabei
auf Gewässer, bei denen die durchschnittliche Wassertemperatur ganzjährig über dem
Niveau andere Gewässer liegt. Hierzu zählen zum Beispiel Gewässer, in denen das
Abwasser von Industrieanlagen oder das Kühlwasser von Kraftwerken eingeleitet wird, des
Weiteren Gewässer, die von Thermalquellen gespeist werden.
Guppys gehören zu den farbenprächtigsten Zierfischen und bereichern
durch die zum Teil sehr individuelle Farbenpracht jedes Gesellschaftsbecken. Die Größe
ist bei ihnen vom Geschlecht abhängig, das heißt, Guppyweibchen übertrumpfen ihre
männlichen Artgenossen teilweise um mehr als das Doppelte. So ist ein Guppymännchen
bereits mit rund 3 Zentimetern voll ausgewachsen, ein Guppyweibchen wird hingegen rund 6
cm groß. Je nach Zuchtform werden einige Weibchen noch größer.

© www.pixelio.de | Foto: Verena N. |
Die
wildlebenden Verwandten der Guppys erreichen nicht ganz diese Größen, eher sind hier als
Maße 2,5 cm für den männlichen Guppy und 4,5 cm für den weiblichen Part als gute
Durchschnittwerte angegeben. Der Größenunterschied zwischen weiblichen und männlichen
Guppys wird verständlich, wenn der Leser bedenkt, dass es sich beim Guppy um einen
lebendgebärenden Zahn- karpfen handelt und die Weibchen im Mittel 20 bis 40, teilweise
(wenn gleich eher selten) jedoch auch über 100 Jungfische gebären. |
Bereits bei den wildlebenden Guppys gibt es die unterschiedlichsten
Variationen im Bezug auf das äußere Erscheinungsbild. Wie bereits weiter oben erwähnt,
bemühte sich der Mensch noch weitere Unterschiede und Varianten zu züchten, sowohl was
die Farben als auch die Form der Flossen anbelangt. Zu den heutigen Standardformen
gehören Guppys mit einem einfachen Rundschwanz ebenso wie Guppys mit Schleierschwänzen
und vielen weiteren Schwanzformen, die hier nicht näher beschrieben werden sollen. Nur
soviel sei erwähnt, im Jahre 1981 wurde durch das Internationale Kuratorium
Guppy-Hochzucht (Kurzform - IKGH) ein Internationaler Hochzucht-Standard (Kurzform - IHS)
verabschiedet. Nach diesem Standard wurden 12 unterschiedliche Flossenformen, eingeteilt
in drei Gruppen, festgelegt. Diese drei Gruppen umfassen Grossflosser, Schwertflosser und
Kurzflosser.
An diesem IHS
- Internationalen Hochzucht Standard - orientieren sich alle renommierten Vereine und
Gesellschaften, deren Mitglieder sich in Deutschland mit der Zucht von Guppys
beschäftigen, wie zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Lebendgebärende
Zahnkarpfen. Wer sich als Aquarianer mit der Zucht von Guppys näher be- schäftigen und
Jungfische ver- kaufen möchte, kommt somit nicht umhin, sich mit den züchterischen
Standards näher zu beschäftigen und sich mit diesen Standards auseinander zu setzen. |

© www.pixelio.de | Foto: Verena N. |
Einrichtung und Bepflanzung: Eines der wichtigsten
Gesichtspunkte sollte bereits vor der Anschaffung eines geeigneten Aquariums bedacht
werden, je größer, umso besser. Eigentlich gildet diese Regel bei allen Aquarien, bei
der Haltung von Guppys sollte der Aquarianer jedoch zusätzlich bedenken, dass ältere
Guppyweibchen zuweilen ein etwas zänkisches Verhalten gegenüber anderen Weibchen an den
Tag legen können. Ein Vergleich mit menschlichen Eigenschaften wäre etwas daneben.
Obwohl bei Mensch und Tier zu beobachten ist, Streithähne, die sich aus dem Wege gehen
(schwimmen) können, werden sich weniger streiten. Es dürfte einleuchten, dass in einem
größeren Aquarium dieses "aus dem Wege gehen" leichter möglich ist.
Bei der Einrichtung des Aquariums und dessen Bepflanzung sollte bedacht werden, dass
sowohl Bereiche mit dichterem Pflanzenbewuchs als auch Bereiche mit genügend freien
Schwimmraum im fertigen Becken vorhanden sind. Wichtig sind neben den verschiedensten
Arten von allgemeinen Unterwasserpflanzen auch Schwimmpflanzen, die eine locke Decke
bilden sollten. In so einem kleinen Unterwasserdschungel, gebildet aus einem dichten
Pflanzenbewuchs und aus nicht zu wenigen Schwimmpflanzen, finden junge Guppys einen
gewissen Schutz vor zu gefräßigen Mitbewohnern der kleinen Unterwasserwelt. Bei einem
dementsprechend eingerichteten Aquarium werden die ersten Zuchterfolge nicht lange auf
sich warten lassen und auch dem Anfänger vergönnt sein.
Wasserqualität: Bezüglich der Wasserqualität stellt der Guppy eher
keine hohen Ansprüche, zumindest nicht was den ph-Wert und die Wasserhärte anbelangt.
Der ph-Wert sollte zwischen 5,5 und 8,5 liegen, wobei ein ph-Wert von 6,5 bis 7,5 ideal
wäre. Weiterhin kann ein mittlerer Härtegrad von 8 bis 14 °dH als gut geeignet
betrachtet werden. Trinkwasser aus der Leitung ist somit in der Regel geeignet, insofern
es nicht gerade in einem Einzugsgebiet mit überdurchschnittlich hartem Wasser an
Tageslicht befördert wird. Unabhängig vom ph-Wert und dem Härtegrad sollte das Wasser
fürs Aquarium oder fürs Gesellschaftsbecken selbstverständlich biologisch einwandfrei
sein, es sich somit wirklich um Trinkwasser und nicht um Brauchwasser aus der Tonne
handeln.
Wassertemperatur: Auch wenn der Guppy innerhalb einer Spanne von 15 °C
bis 30 °C überlebensfähig ist, so sollte dennoch im Interesse einer artgerechten
Tierhaltung der untere wie der obere Grenzbereich vermieden werden. Bei den Angaben zur
optimalen Durchschnittstemperatur gehen die Angaben in der einschlägigen Literatur etwas
auseinander. So wird gelegentlich auf einen durchschnittlichen Temperaturbereich von 22
°C bis 24 °C verwiesen, mehrheitlich von den Autoren jedoch eine Temperaturspanne von 24
°C bis 26°C empfohlen. Bei der Vergesellschaftung mit anderen Zierfischen in einem
Gesellschaftsbecken sollte hier eine mittlere Temperatur gewählt werden, die allen Arten
ein optimales Wohlbefinden ermöglicht. Ein Absenken der Temperatur während der
nächtlichen Ruhezeiten um ein bis zwei Grad Celsius kann sich hingegen durchaus Positiv
auf die Vitalität und Lebenserwartung von Guppys auswirken.
Futter: Die Fütterung von Guppys ist für den Zierfischhalter völlig
unproblematisch, da diese attraktiven Zierfische von Natur aus Allesfresser sind. So kann
durchaus handelsübliches Trockenfutter in Abwechslung mit Lebendfutter gereicht werden.
Als Lebendfutter sind zum Beispiel Mückenlarven eine gute Wahl. Bedacht sollte bei der
Fütterung durch den Halter lediglich werden, dass junge Guppys etwas feineres Futter
benötigen. Hier kämen kleine Krebstierchen in Frage (Artemia) oder spezielles im Handel
angebotenes Aufzuchtfutter für Jungfische.
Zucht: Wie bereits weiter oben beschrieben, in einem der Art entsprechend
eingerichteten Aquarium werden die ersten Zuchterfolge sich einstellen, sobald die Guppys
die Geschlechtsreife erlangt haben, was nach etwa 3 Monaten bei den Weibchen der Fall ist.
Quellen, Literatur u. Buchempfehlungen:
Süßwasserfische aus aller Welt
Autor: Günther Sterba
Urania-Verlag, 1. Auflage 1959 |
Nähere Einzelheiten und Infos
über neuere Auflagen finden Sie hier:
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Buchempfehlungen - |
Aquarien Atlas, Band 1
Autoren: Rüdiger Riehl und Hans A. Baensch
Mergus Verlag, 14. Auflage 2002 |
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