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Stück für Stück in die Freiheit

- Autorin: Viola Schillinger -

Als Sunny zu mir zieht, ist er ein fünfjähriger korpulenter Rammler, sein Fell schimmert in der Abendsonne in einem warmen Braunton und er freut sich endlich nach der langen Autofahrt aus der Transportbox entlassen zu werden.

Mit einem Satz ist er draußen und schaut sich verdutzt um, er landet galant im weichen Gras. Doch wer jetzt denkt, dass Sunny verängstigt zurück in die Box fliehen wird, der hat sich gewaltig geirrt: Sunny ist ein stämmiger Dickkopf, der nach ein paar Runden im Gras erst einmal das gesamte Revier erkundet und mit überzeugten Sprüngen den Zaun abgeht.

Ein Rammler namens Sunny
© Viola Schillinger | Der Rammler Sunny

Es hat den Anschein, als würde dieser Rammler hier seit fünf Jahren leben, als wäre es sein Revier. Doch der Schein trügt: Sunny lebte zuvor über fünf Jahre lang in Käfighaltung, eine Haltung die es ihm gerade ermöglichte einen Hoppler zu machen, denn dann landete er bereits an der anderen Seite des Käfigs - und es ist einer der größten im Handel erhältlichen Käfige! Sunny richtet sich auf um an einer der höher wachsenden Blumen zu riechen, im selben Moment kippt er nach hinten und landet auf dem Rücken. Ich erschrecke doch zugleich denke ich an seine Vergangenheit. Wenige Wochen davor wurde seine Behandlung mit e. Cuniculi abgeschlossen, einem Erreger, dessen Ausbruch zu Gleichgewichtsproblemen und Lähmungen führt. Eigentlich müsste er seinen Gleichgewichtssinn bereits wieder trainiert haben und voll nutzen können - doch wie soll das möglich sein, in einem Käfig der so niedrig ist, dass Männchen machen nicht möglich ist? Der stattliche Rammler kippt täglich nach hinten um, außerdem muss er erst lernen wie man auf einen höheren Gegenstand hüpft, das alles ist ihm fremd. Die erste Erkundungstour schlaucht ihn, so viel Bewegung ist er nicht gewöhnt, normalerweise sitzt er Tag ein Tag aus an derselben Stelle und hoppelt nur gelegentlich den einen Hopser vom Napf zur Trinkflasche.

Am nächsten Tag in aller Frühe wartet die nächste Überraschung auf ihn, eine gleichaltrige Häsin zieht mit ihm zusammen in das neue Gehege. Doch Sunny ist verunsichert, andere Kaninchen kennt er nur durch das Käfiggitter, nicht aber so nah. Er beschließt ihr zunächst einmal aus dem Weg zu gehen. Erst drei Tage später treffe ich die Beiden zusammen am Futter an und kurz darauf kuscheln sie schon herzlich.

Kaninchen beim Kuscheln
© Viola Schillinger | Sunny beim Kuscheln

Das Gehege ist groß, er kann ganze zwölf Sprünge in eine Richtung machen um am anderen Gitter zu landen, außerdem gibt es erhöhte Sitzplätze und andere spannende Dinge. Sunny kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und fühlt sich pudelwohl. Auch das Futter ist interessant, nicht nur immer die gleich aussehenden braunen Pellets und etwas Heu, sondern vielfältigstes Gemüse, verschiedene Pflanzen von der Wiese und andere leckere und gesunde Dinge. Das alles schmeckt verschieden, es macht Spaß zu testen wie die roten oder die gelben Stückchen schmecken, sie haben alle eine unterschiedliche Konsistenz, manche schmecken sauer, andere süß und eines hinterlässt einen pelzigen Geschmack auf der Zunge.

Langsam wird das Gehege zur Gewohnheit, die Kaninchendame beginnt vielfältigste Bauten anzulegen, die Sunny dann erkunden darf. Wie sie es schafft zu buddeln bleibt ihm ein Rätsel, das kann er nicht. Eines Tages steht die Gehegetüre offen und vor dem Gehege ist ein Bereich abgetrennt. Sunny hoppelt aus der schwarzen Gittertüre hinaus ins Freie und schnuppert die Umgebung ab. So viele neue Gerüche, artenreiche Pflanzen und wunderschöne Blumen. Sunny macht einen Freudensprung quer über die Wiese, schlägt einen Haken und hoppelt zurück Richtung Gehege. Er Probiert an einem Blatt. Diese Pflanze kennt er gepflückt als Futter, jetzt beißt er sie selber ab und verzehrt sie genüsslich.

Sunny außerhalb des Freigeheges

Das Gehege wird von Tag zu Tag größer und abends kehren Sunny und seine Hasendame zurück zu ihrem Bau. Eine Portion frischer Wiesenpflanzen, die im Gehege nicht wachsen, darf natürlich auch nicht fehlen - auf die freut er sich immer ganz besonders.

Eines Tages während Sunny wieder in den Auslauf hoppelt, ist das Gehege weg und er läuft frei umher.

Zunächst startet er wie eine Rakete durch, rast 300 Meter am Stück, schlägt einen Haken und kehrt zurück. Die Häsin folgt ihn und sie ist sogar ein Stück schneller. Anschließend lassen sie sich in der saftigen Wiese nieder und mümmeln Löwenzahn und Bärenklau, den er sehr liebt. Jetzt sieht er viele Pflanzen, die er nicht kennt, an diesen schnuppert er und wenn sie gut riechen, probiert er ein Häppchen.

Es ist zum täglichem Ritual geworden: Immer wenn die Sonne untergeht, kehren die Beiden satt und zufrieden zurück zu ihrem Bau. Dort wartet ihr Futterberg mit den vielen verschiedenen Pflanzen auf sie.

Die Monate vergehen und die Natur wandelt sich. Jeden Tag gibt es Neues zu entdecken und jeden Tag fühlt sich Sunny wohler. Jetzt schlägt er oft Haken, macht Freudensprünge oder legt sich in die Abendsonne, die sein Fell goldbraun zum Glänzen bringt.
 

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