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Ein (un-)gewöhnlicher Mord

- Autor: Johannes Beurle -

Bis gestern hatte Jordi noch niemanden getötet. Natürlich war er schon des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt geraten, wer war das nicht... Kleinere Delikte, Diebstähle, Betrügereien, aber das war alles harmlos gewesen. Diesmal war es anders. Er hatte jemanden getötet. Auch die Tatsache, dass er es so nicht geplant hatte, würde nichts daran ändern, dass er ein Leben auf dem Gewissen hatte. Er wusste selbst nicht, wie es so weit hatte kommen können. Sein Leben würde ab heute nicht mehr dasselbe sein, da war er sich sicher.

Er lag rittlings auf dem schmalen Bett, das in seiner winzigen Kammer unter dem Fenster stand. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, starrte er mit seinen blauen Augen and die makellos weißgestrichene Decke. Durch das kleine, geöffnete Fenster fluteten die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Für einen Mörder sah er geradezu empörend harmlos aus. Seine helle, glatte Haut, seine ebenmäßigen Züge, die manchmal fast etwas mädchenhaftes an sich hatten, sein blondes, kurz geschnittenes Haar. Er war auch nicht sonderlich groß gewachsen, oder übermäßig muskulös. Er fühlte sich auch nicht wie ein Mörder, jedenfalls hatte er bis jetzt immer geglaubt, dass Mörder ein bestimmtes Gefühl hätten, zu dem er nie fähig wäre. Und doch hatte er heute Morgen jemanden getötet. Sein Atem ging schwer, er versuchte nachzudenken. Wie war es geschehen? Was galt es nun zu tun?

Offensichtlich war sein Verbrechen noch nicht entdeckt worden, sonst würde er wohl kaum unbehelligt hier in seiner Dachkammer liegen können und gegen die Decke starren. Die Hölle könnte aber jeden Moment losbrechen. Obwohl er die Spuren so gut es ging beseitigt hatte, würde irgendjemand den toten Körper früher oder später finden. Er versuchte sich zu erinnert, denn es war alles fürchterlich schnell gegangen.

Der Tag hatte nicht schlecht begonnen. Er hatte die Nacht mal wieder bei Pedro, einem alten Bekannten, verbracht. Mit ihm hatte er schon so manches Ding gedreht. Man vertraute sich. Es war nichts Außergewöhnliches, dass er die Nacht auswärts verbrachte. Gründe gab es mehr als genug. Das Kartenspiel dauerte länger als geplant, es lief noch ein guter Film, oder manchmal brauchte er auch nur einen Tapetenwechsel. Nur hinterließ er bei den Freunden, bei denen er nächtigte, üblicherweise keine Toten. Aber hätte dieser Dummkopf nicht versucht zu fliehen, wäre er jetzt noch am Leben.
Jordi fiel auf, dass er nicht mal den Namen des Opfers kannte. Aber ändern würde das ohnehin nichts. Vielleicht hätte ihm Pedro sogar verzeihen können, doch was den Fall so ungemein verkomplizierte, war die Tatsache, dass Pedros Schwester den namenlosen Toten geliebt hatte. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass durch seine Tat die Bande zwischen seiner und Pedros Familie endgültig zerrissen waren. Vielleicht würde es sogar Krieg geben. Vergeltung. Vergeltung für etwas, das er für jeden Preis ungeschehen machen würde, wenn er denn könnte. Er bereute tief, was er getan hatte.

Sobald er die Augen schloss, sah er die Bilder deutlich vor sich. Sein Opfer, mit zerschmettertem Brustkorb, nach Luft röchelnd und Blut gurgelnd, unfähig sich zu bewegen, da wahrscheinlich schon einige Nerven durchtrennt waren. Dann plötzlich Ruhe und die Gewissheit, dass es zu Ende war. Die aufsteigende Panik schnürte ihm die Kehle zu. Ohne nachzudenken hatte er begonnen die Spuren zu beseitigen. Dann war er nach unten frühstücken gegangen. Die ganze Familie hatte am Tisch gesessen. Pedro, seine Schwester und seine Eltern. Eigene Kinder hatte Pedro noch keine und er wollte auch keine, daraus hatte er nie ein Geheimnis gemacht.

Mühsam drehte er sich auf die Seite und richtete sich langsam auf. Die Sonne war bereits hinter den Dächern verschwunden und ein kühler, dämmriger Wind trug den Schall der Kirchenglocken ins Zimmer, die anklagend in die Welt zu schreien schienen, was heute geschehen war.

Er hätte es ihnen sagen sollen, aber als sie ihm alle beim Frühstück gegenüber saßen, hatte er es einfach nicht übers Herz gebracht. Er war ohne einen Bissen zu essen nur gerade so lange sitzen geblieben, wie es unbedingt nötig war, um keinen Verdacht zu erregen. Dann war er gegangen. Für immer.

Er erschrak, als es leise an seine Zimmertüre klopfte. Augenblicklich war er hellwach. Gebannt starrte er auf die kleine silberne Türklinke, die sich langsam nach unten senkte. Wie eine Katze duckte er sich zum Sprung, bereit zur Flucht und zum Kampf. Langsam entstand auf der rechten Seite der Türe ein schmaler Spalt, der sich stetig verbreiterte. Sein Magen krampfte sich zusammen, sein Atem wurde flach und Schweiß trat ihm auf die Stirn. Dann schob sich ein Kopf durch den Spalt. Ganz langsam und vorsichtig. Das Gesicht gehörte einer Frau in mittlerem Alter. "Ist alles in Ordnung?" fragte sie liebevoll.

Was sollte er tun? Er vertraute dieser Frau wie keiner anderen und doch war die Angst vor den Folgen seiner Tat so groß, dass er es nicht einmal wagte dieser Frau zu sagen, was passiert war, der einzigen Frau in seinem Leben. Es würde entdeckt werden, alles würde ans Tageslicht kommen... Er sah auf und ihre Blicke trafen sich. Die dunklen Augen der Frau schienen aus ihm zu lesen wie aus einem Buch. Aber er konnte ihr unmöglich sagen, was geschehen war. Sie kam langsam auf ihn zu, streckte behutsam ihren schlanken, nussbraunen Arm nach ihm aus und zog Jordi langsam an ihre Brust.

Jordi schloss die Augen und ließ es geschehen. Es tat gut, Menschen zu haben, die einen liebten. Die Zuneigung und die Ruhe dieser Frau hatte ihm schon oft in schwierigen Situationen Trost gespendet. Obwohl er schon alt genug war, um alleine zu Recht zu kommen, er war bereits 11, genoss er es in den Armen seiner Mutter zu liegen. Aber nicht einmal diese wundervolle Frau wird wieder zum Leben erwecken können, was er heute getötet hatte. Den Liebling von Pedros Schwester. Ihren Hamster.
 

 

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