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Vom Auerochsen zur Milchkuh

Über die Domestizierung von Hausrindern

Wenn es um das Thema Nutztiere geht, so führt kein Weg an den Hausrindern vorbei, ebenso wenig an der Milchkuh oder am Auerochsen. Einzelne Rinder, sowie kleine und große Rinderherden, werden noch heute in allen Teilen der Welt zur Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Fleisch gehalten. Rinder werden von Menschen auf allen Kontinenten gehalten, mit Ausnahme der Antarktis.
Auf Antarktika verspeisen die Menschen nur gelegentlich Rindfleisch, ohne Rinder zu halten, zu unwirtlich sind für Mensch und Nutztier die Verhältnisse. In den gemäßigteren Landstrichen sieht es hingegen völlig anders aus und für viele Menschen stellt die Rinderhaltung einen überlebenswichtigen Bestandteil ihrer Lebensgrundlage dar. Doch es war nicht immer so und alles begann einst mit dem Ur, auch als Urrind oder Auerochse benannt. Vom Auerochsen zur Milchkuh war es jedoch ein langer Weg, der sich über viele Jahrtausende erstreckte.

Der Auerochse ist zweifelsfrei der Urahn aller[1] heutigen Hausrinder und durchstreifte einst weite Teile des heutigen Europas und der restlichen Welt. Oder besser ausgedrückt, er durchstreifte weite Teile Eurasiens, wobei sein Verbreitungsgebiet in etwa bis zum Kaukasus reichte. Weiterhin war der Auerochse in Teilen Indiens und in den Gebieten des nördlichen Afrikas anzutreffen. Somit war der Auerochse weder den Jägern und Sammlern in Kleinasien, noch in Ägypten oder Mesopotamien unbekannt.

Dort, wo der Auerochse sich heimisch fühlte, durchstreifte er in kleinen Herden lichte Wälder und an Waldrändern grenzende Weideflächen auf der Suche nach Nahrung. Der Leser bedenke, Europa war einst wesentlich dichter bewaldet. Große baum- und strauchlose Weidegründe waren eher selten, anders als wir es von unserer heutigen Kulturlandschaft her kennen. Links ein Bild aus dem Reich der Fantasie.

Die Nahrung dürfte sich, so wie noch heute bei der Milchkuh und anderen Hausrindern üblich, vorrangig aus saftigem Grünfutter zusammengesetzt haben. Daneben standen vermutlich auch Eicheln, tockene Gräser und Laub mit auf dem Speiseplan des Auerochsen. Eicheln stellten nicht nur für den Auerochsen eine Nahrungsquelle dar. So ist bekannt, dass im Mittelalter domestizierte Schweine in den Wald getrieben wurden, um diese mit Eicheln zu mästen. Selbst heute noch werden in einigen europäischen Ländern Schweine mit Eicheln gemästet.

Ab wann der Mensch begann den Auerochsen zu domestizieren, lässt sich nicht genau feststellen, doch liegt diese Zeitspanne weiter als 8.000 in der kulturellen Entwicklung des Menschen zurück, da bereits vor rund 8.000 Jahren domestizierte Rinder aus dem Nahen Osten in Europa eingeführt wurden. Das die Domestizierung des Auerochsen in Kleinasien bzw. Anatolien und benachbarten Regionen ihren Anfang nahm und nicht in Europa, darauf verweisen gentechnische Studien.[2] Vorrangiges Ziel der Domestikation dürfte kaum die Züchtung von Milchkühen gewesen sein, vielmehr dürften die ersten domestizierten Rinder dem Menschen hauptsächlich als Fleischlieferanten gedient haben. Allerdings werden die Menschen recht schnell erkannt haben, dass Rinder durchaus auch als Milchlieferanten dienlich sind, zumindest weisen deuten darauf Zeichnungen hin, welche auf ein Alter von rund 6.000 Jahren datiert wurden. Neben den Wert von Rindern als Fleisch- und Milchlieferant, dienten diese dem Menschen auch als Zugtier vor Fuhrwerken und anderen landwirtschaftlichen Gerätschaften, wie zum Beispiel zum Pflügen und Dreschen.

Leider gehörte der Auerochse zu jenen Spezies, die durch den jagdlichen Übereifer des Menschen von der Bildfläche verschwanden. Wie und aus welchen Gründen dies geschah, lässt sich nur schwerlich rekonstruieren, doch liegt die Vermutung nahe, das der Mensch die Vermischung von wilden und domestizierten Rindern verhindern wollte. So starb der Auerochse in weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes bereits vor rund 2.000 Jahren aus. In Europa gelang es ihm noch etwas länger zu überleben, hier ist aus alten Chroniken bekannt, dass der letzte Auerochse im Jahre 1627 in der Nähe von Warschau erlegt wurde. In den 30ger Jahren des 20. Jahrhundert bemühten sich die Zoologischen Gärten von Berlin und München zwar um eine Rückzüchtung des Auerochsen, doch Rückzüchtungen sind nun einmal kein vollwertiger Ersatz für einmal ausgestorbene Tierarten.

Dennoch gehen viele Zoologen davon aus, dass Heckrinder sich vermutlich ohne Probleme mit einem ursprünglichen Auerochsen paaren ließen, wenn es diesen noch gäben würde.

Ihren Namen erhielten die zum Auerochsen zurück gezüchteten Heckrinder von den Gebrüdern Heck. Lutz Heck war Direktor des Berliner Zoos und sein Bruder Heinz der Direktor des Münchener Tierparks Hellabrunn.

Für die Rückzüchtung zum Auerochsen kreuzten die Brüder Heck vor allem ungarische Steppenrinder, schottische Hochlandrinder, korsische Rinder sowie iberische Rinderrassen miteinander. Letztere dürften dem Leser aus Berichten und aus Filmen über den spanischen Stierkampf her vertraut sein. Diese iberischen Rinderassen lassen sich wiederum auf sehr alte und bereits von den Kelten domestizierte Rinderrassen zurückführen. Der heutige schwarze Kampfstier ist somit ein kleinerer Bruder des ausgestorbenen Auerochsens.


Anmerkung zu 1: Aller heutigen europäischen Hausrinder sei angemerkt. In einigen Teilen der Welt sind das Yak und der Wasserbüffel als Haustiere verbreitet, die wohl keine direkten Nachkommen des Auerochsen sind, jedoch der gleichen Familie angehören.

Andere Namen für den Auerochsen sind Ur bzw. Urrind.

Anmerkung zu 2: In einer Gen-Studie aus dem Jahre 2000, welche im Jahre 2001 im Fachmagazin Nature unter dem Titel "Genetic evidence for Near-Eastern origins of European cattle" veröffentlicht wurde, untersuchten Wissenschaftler die mitochondrische DNA von 392 Rindern und werteten die Ergebnisse aus. Die Rinder stammten aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Zur Auswertung wurden die Werte mit der mitochondrischen DNA von archäologischen Knochenfunden verglichen.
Bei diesen archäologischen Knochenfunden handelte es sich um die Überreste von 4 bereits ausgestorbenen Wildrindern. An der Studie waren Wissenschaftler vom Smurfit Institut und von der Universität Dublin in Irrland sowie Forscher von der Sheffield Universität und von der Oxford Universität in Großbritanien beteiligt.

Die Studie lässt den Schluss zu, dass der Auerochse zuerst im Nahen Osten domestiziert wurde. Eine weitere Gen-Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern des Instituts für Anthropologie der Universität Mains und von der Universität Dublin, wurde im Jahre 2007 im Wissenschaftsjournal "Proceedings of the Royal Society" veröffentlicht. Auch diese Studie kommt zu dem Schluss, dass der Auerochse zuerst im Nahen Osten domestiziert wurde und als domestiziertes Hausrind seinen Weg nach Europa fand. Zu einer Vermischung mit dem heimischen Auerochsen kam es vermutlich nicht, zumindest weisen die bisherigen Studien nicht darauf hin.

weiterlesen: Milchkühe und Hausrinder

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