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Das Angler
Sattelschwein
Schweinerassen des Hausschweins
Obwohl das Angler Sattelschwein noch keine hundert Jahre alt ist und
als Rasse erst im Jahre 1937 anerkannt wurde, so hat diese Schweinerasse dennoch bereits
eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen und steht leider recht weit oben in der Roten Liste
der bedrohten Nutztierrassen von Deutschland. Zumindest nach dem gegenwärtigen Stand im
Jahre 2008. Dabei ist das Verbreitungsgebiet des Angler Sattelschweins nicht einmal so
klein. Immerhin wird das Angler Sattelschwein nicht nur in Schleswig-Holstein gezüchtet,
sondern ist auch in Niedersachsen und in anderen Bundesländern anzutreffen. Außerhalb
Deutschlands wird diese Schweinerasse noch in Südamerika, in Ungarn sowie in Tschechei
gehalten. Dennoch ist der Bestand eher als klein anzusehen und setzte sich im Jahre 2004
laut GENRES[1] (Informationssystem
für Genetische Ressourcen) gerade einmal aus 15 Ebern und 74 weiblichen Tieren
zusammen.
Gezüchtet wurde das Angler Sattelschwein erst ab dem 3. Jahrzehnt des
20. Jahrhunderts in einer Region namens Angeln im Nordosten des Bundeslandes
Schleswig-Holstein. Von dieser Region leitet sich der Name des Angler Sattel- schweins ab.
Die Region wiederum
verdankt ihren Namen dem Volkstamm der Angeln. Die Angeln waren ein west- germanischer
Volksstamm und fühlten sich noch bis Mitte des ersten Jahrtausends in der Region zwischen
den heutigen Städten Schleswig und Flensburg heimisch. Etwa zwischen dem 2. und 6.
Jahrhundert begaben sich die Angeln auf Wanderschaft, unter anderem um in jenen Jahren im
Verbund mit anderen germanischen Stämmen als Volk der Angelsachsen das heutige England zu
bevölkern. |

Quelle: www.pixelio.de / Foto:
Tempelmeister |
Nicht nur das Angler Sattelschwein verdankt somit seinem Namen dem
einstigen Volk der Angeln, sondern auch die Engländer, nachdem aus dem niederdeutschen
Namen Angeln ein Engle wurde. Im einstigen Gebiet der Angeln, welches sich durch die
Abwanderung in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends begann bevölkerungsmäßig
auszudünnen, ließen sich ab der zweite Hälfte des ersten Jahrtausends Jüten und Dänen
nieder. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein sprachen die Bewohner der Region eher ein
regionales Dänisch als Deutsch.
Ende des 19. Jahrhunderts gewann in Angeln neben der Rinderhaltung zunehmend die
Schweinehaltung an wirtschaftlicher Bedeutung. In dieser Zeit war in Schleswig-Holstein
noch eine unveredelte schwarzbunte Landrasse weit verbreitet. Doch diese Landrasse
entsprach nur unzureichend den Vorstellungen der Bauern von einem Mastschwein, zumindest
im Hinblick auf eine ertragreiche Schweinemast. Der Nachteil dieser einstigen unveredelten
Landrasse lag im recht langsamen Wuchs und in der zu geringen Ferkelzahl pro Wurf.
Es war im Jahre 1926, als ein Landwirt von Süderbrarup sich auf eine Reise nach England
begab und von dort ein Hausschwein der Rasse Wessex-Saddleback mit nach Angeln brachte.
Bei diesem importierten Hausschwein handelte es sich um eine tragende Sau. In den
folgenden Jahren wurden weitere Schweine der Wessex-Saddlebacks aus England importiert.
Hausschweine der Rasse Wessex-Saddleback sind ebenfalls schwarzbunt gefärbt und galten
damals, und ebenso noch heute, als sehr fruchtbar im Hinblick auf die Ferkelzahl pro Wurf.
Es wurde im Jahre 1929 eine Züchtergemeinschaft gegründet, mit dem Ziel, die alte
Landrasse durch Einkreuzungen von Wessex-Saddlebacks zu veredeln und um so ein eigenes
Angler Sattelschwein zu züchten. Eine erste Anerkennung des Angler Sattelschweins als
neue Rasse erfolgte im Jahre 1938 (nach anderen Angaben 1937), allerdings mit
einer regionalen Begrenzung des Zuchtgebietes. Die uneingeschränkte Anerkennung folgte
erst im Jahre 1941.
Auf Grund vieler positiver Eigenschaften verbreitete sich das Angler Sattelschwein bis
Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts über ganz Norddeutschland und wurde zu
einer sehr populären Schweinerasse, die auch in anderen Bundesländern anzutreffen war.
Zu diesen positiven Eigenschaften gehören unter anderen, dass das Angler Sattelschwein
sehr genügsam ist, über gute Muttereigenschaften in Verbindung mit einem hohen
Milchreichtum und einer hohen Fruchtbarkeit verfügt, sowie die Frohwüchsigkeit und
Robustheit der Rasse im Allgemeinem.
So schnell wie das Sattelschwein an Popularität gewann, so schnell sank diese
Popularität in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder auf Null. Die Gründe für
diesen unaufhaltsamen Abwärtstrend der Rasse auf der Beliebtheitsscala lagen zum Teil in
den sich veränderten Wünschen der Verbraucher. Bereits ab Mitte der 50er Jahre des
letzten Jahrhunderts wuchs die Nachfrage nach fettarmem Schweinefleisch und damit konnte
das Sattelschwein nicht dienen. Zusätzlich hatte es eine dunkle Haut, doch die
Schlachthöfe wollten nur noch Schweine mit heller Haut verarbeiten. Weiterhin spielte die
gute Weidefähigkeit, die einst zur Beliebtheit der Rasse mit beitrug, keine nennenswerte
Rolle mehr, da die industrielle Schweinemast stetig an Bedeutung gewann.
Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts war das Sattelschwein dem Aussterben sehr
nahe und wäre vermutlich auch ausgestorben, wenn es sich nicht eine im Jahre 1991
gegründete Arbeitsgemeinschaft zum Ziel gesetzt hätte, diese Rasse zu erhalten. Um den
kümmerlichen Bestand wieder aufzufrischen, wurden Sattelschweine aus Ungarn reimportiert,
sowie ein noch existierender Bestand aus der ehemaligen DDR übernommen. Obwohl es
gegenwärtig wieder einige Bio-Landwirte gibt, welche das Angler Sattelschwein halten und
züchten, so ist es dennoch immer noch sehr stark gefährdet.
Quellen, Literatur u. Buchempfehlungen:
Atlas der Nutztierrassen
Autor: Hans Hinrich Sambraus
Ulmer Eugen Verlag, Stuttgart, 1986 |
Nähere Einzelheiten und Infos
über neuere Auflagen finden Sie hier:
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Buchempfehlungen - |
Gefährdete Schweinerassen
und Alternative Schweinezüchtung
Autor: Bernhard Hörning
GEH und NZH Verlag, 1997 |
Übersichten: Schweine | Hausschwein | Rassen | Krankheiten
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