Heimtiere und Haustiere - Nutztiere
Hunde Katzen Vögel Nager Nutztiere Sonstige Tierschutz Magazin

- Home -

Literatur zum Thema

Tierbedarf & Zubehör

Navigation


  

Das Hausschwein in der Medizin

Schweine als Opfer und Organspender

Stendal, im September 2008 - Seit rund 9.000 Jahren dient das Hausschwein dem Menschen als Nahrungsquelle. Erst gekocht oder am Spieß gebraten, lernte der Mensch bereits in der Antike, Schweinfleisch durch das Einpökeln mit Hilfe von Kochsalz oder speziellen Pökelsalzmischungen haltbar zu machen. Neben dem Pökeln von Schweinfleisch diente das Räuchern zur Haltbarmachung, wobei sich an den Grundlegenden Verfahren zur Herstellung von Räucherware bis heute kaum etwas geändert hat. Damit nicht genug, die Haut von Schweinen wurde einst und so noch heute, zu Leder gegerbt und zur Herstellung von Lederwaren genutzt. Ab dem 20. Jahrhundert dienen frisch geschlachtete Hausschweine zunehmend der Gerichtsmedizin, um den Todeszeitpunkt näher eingrenzen zu können, insofern dieser nicht anderweitig genauer bestimmt werden kann, sowie für vergleichende Untersuchungen bei Verletzungen durch Schuss- und Stichwaffen. Im kommenden Jahrzehnt wird weiterhin damit gerechnet, dass Hauschweine eine nicht ungewichtige Rolle in der Medizin als Organspender spielen könnten, zumindest wird bereits eifrigst in dieser Richtung geforscht. Stellt sich die Frage, ist das Hausschwein zu nichts anderem gut, um als ein Opfer dem Menschen zu dienen?

Stand: 2008 - Allein in Deutschland warten laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation ungefähr 12.000 Menschen auf die Transplantation eines Spenderorgans, um ihr Leben unter erträglichen Umständen zu verlängern. Unter diesen 12.000 Patienten befinden sich etwa 8.000 Menschen mit einem schweren Nierenleiden. Die Wartelisten sind lang, da jährlich nicht mehr als rund 4.500 Spenderorgane transplantiert werden, weil die Zahl der Spender zu gering ist und deshalb der Bedarf an Spenderorganen nicht gedeckt werden kann. Etwa ein Drittel der auf eine Transplantation wartenden Menschen verstirbt, weil kein passender Spender rechtzeitig gefunden wurde. Für viele Wissenschaftler aus dem Bereich der Medizin ein gewichtiger Grund, ihre Forschungsaktivitäten in Richtung der Xenotransplantation auszurichten. Im Gegensatz zur normalen Transplantation, bei dem nur Zellen und Organe zwischen Spezies der gleichen Art transplantiert werden, handelt es sich bei der Xenotransplantation um den Austausch von überlebenswichtigen Zellen und Organen zwischen unterschiedlichen Lebensformen. Als ein potentieller Spenderkandidat steht dabei das Hausschwein recht weit oben auf der Liste.

Die Idee durch eine Xenotransplantation das menschliche Leben zu verlängern, ist nicht neu. Bereits ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden wiederholt Organe von Schimpansen Pavianen verpflanzt, um das Leben von Menschen zu retten. Unter anderem wurden im Jahre 1963 Nieren von Schimpansen transplantiert, allerdings konnte damit das Leben der erkrankten Menschen nur um einige Monate verlängert werden. Im Jahre 1984 wurde das Herz eines Pavians verpflanzt, um einem Baby das Leben zu retten. Auch dieser medizinischer Eingriff brachte nicht den erhofften Erfolg, das Baby namens Fae überlebte diesem Eingriff nur knappe drei Wochen.

Das diese bisherigen Transplantationen von tierischen Organen scheiterten, hat zweierlei Ursachen. Zum einem ist es die Abwehrreaktion des Immunsystems des menschlichen Körpers. Unser Immunsystem sieht ein tierisches Organ als einen Fremdkörper an und versucht diesen vermeintlichen Fremdkörper abzustoßen. Zum anderen ist es vor allem im Bereich der Xenotransplantation äußerst wichtig, dass das zu transplantierende Organ in der Größe und im Leistungsumfang dem menschlichen Organ entspricht, welches ersetzt werden soll. Zum anderen sind längst noch nicht alle biochemischen Vorgänge geklärt, da diese sehr komplex sind und sich von Tier zu Tier sehr unterscheiden können. Ein weiterer Grund, der gegen Affen als Organspender spricht, ist die geringe Reproduktionsrate von Primaten. Mit anderen Worten, es könnten nicht genug Affen gezüchtet werden, um den daraus entstehenden tierischen Organmarkt zu sättigen. Hier kommt das Hausschwein ins Spiel, da es uns morphologisch sehr ähnlich ist und dank seiner hohen Vermehrungsrate könnte der Bedarf an Organen problemlos gedeckt werden.

Spätestens hier stehen einigen Tierfreunden die Nackenhaare erstmals zu Berge, obwohl noch auf Begriffe und Redewendungen wie "Produktion von Organen" verzichtet wurde. Wer bis heute noch nicht begriffen hat, was mit Ehrfurcht vor dem Leben gemeint ist, wird es sicherlich nie begreifen. Und zwar begreifen, dass es sich bei Schweinen um Lebewesen handelt, die ebenfalls nicht ohne Ehrfurcht vor dem Leben gehalten und geschlachtet werden sollten. Hausschweine sind keine gefühllosen Maschinen, die beliebig etwas dem Bedarf entsprechend produzieren. Schweine sind hoch entwickelte Säugetiere, die nicht als reine Ersatzteillager fungieren sollten. Sicherlich, das Leben eines Menschen wird von Menschen höher eingeschätzt, als das Leben eines Schweins. Ebenso wird das Schweineschnitzel auch bis zum Ende des Jahrhunderts den Menschen gut schmecken. Man braucht jedoch nicht gleich zum Vegetarier zu werden, um etwas gegen die industrielle Tierproduktion, einschließlich einer eventuellen medizinischen Massenproduktion zu haben.

Noch ist es nicht so weit, dennoch laufen die Forschungsarbeiten in den medizinischen Laboratorien auf Hochtouren. An erster Stelle steht dabei die Züchtung von gentechnisch veränderten Schweinen, mit dem Ziel eine oder mehrere Schweinerassen zu züchten, deren Organe vom Immunsystem des Menschen nicht abgestoßen werden. Dazu ist es in erster Linie erforderlich, beim Hausschwein ein spezielles Zuckermolekül weg zu züchten. Alle Zellen des Schweins tragen auf der Oberfläche ein besonderes Zuckermolekül (alpha-1-3-Galactose), welches vom menschlichen Immunsystem sofort als feindlich erkannt und bekämpft wird. Die daraus resultierenden Abstoßungs- reaktionen sind heftiger als bei Organtransplantationen von Primaten, da Schweine biologisch weiter vom Menschen entfernt auf der evolutionären Leiter stehen. Bereits seit dem Jahre 2001 soll es die ersten gentechnisch veränderten Schweine geben, bei denen dieses Zuckermolekül fehlt.

Neben dem Zuckermolekül sind es jedoch noch weitere Unterschiede, die eine Abwehrreaktion des menschlichen Immunsystems nach erfolgter Xeno- transplantation auslösen würden. Um das menschliche Immunsystem keinen Grund mehr für Abwehrreaktionen zu liefern, wurden transgener Schweine gezüchtet, die auf ihren Zellen statt der natürlichen Zuckermoleküle menschliche Immun- regulatoren tragen. Bei diesen menschlichen Immunregulatoren handelt es sich um Eiweiße, deren Aufgaben es mit ist, die Immunantwort zu beeinflussen. Damit soll sicher gestellt werden, dass keine unerwünschten Abwehrreaktionen mehr auslöst werden. Die ersten Xenotransplantationen wurden in den USA bereits im Jahre 2006 mit mehr oder weniger Erfolg durchgeführt. Bei diesen Versuchen wurden transgene Schweine geschlachtet, um ihren Herzen Pavianen einzupflanzen. Die Paviane überlebten diese Prozedur zum Teil bis zu rund drei Monaten.

Das Ergebnis kann sich nach Meinung der beteiligten Forscher sehen lassen, ändert jedoch nichts an der Tatsache, tot ist tot, ob sofort oder nach drei Monaten spielt dabei keine Rolle. Dieser unnütze Tod von Hausschweinen und Pavianen würde allein schon aus ethischen Gründen keine Anerkennung verdienen. Neben Theologen und anderen verantwortungsbewusst denkenden Menschen, fordert unter anderem der Deutsche Tierschutzbund diese Tierversuche einzustellen und statt dessen lieber mehr Geld für Kampagnen auszugeben, welche die Bereitschaft zur Organspende erhöhen würden. Dennoch, die Tierversuche gehen weiter und die Experten rechnen damit, dass ab dem Jahre 2010 die ersten Studien mit Menschen durchgeführt werden.

Übersicht Hausschwein | Gerichtsmedizin « / »
 

- Magazin -

Tiere in
Heim und Haus

News, Beiträge
und Themen


Nutztiere

Auerochsen und Rinder
Milchkühe und Hausrinder
Wildschwein
und Hausschwein

Domestizierung des
Hausschweins

Artgerechte Haltung
Gerichtsmedizin
Medizin - Organspender

Übersicht Schweine


Hinweise
und Webverweise

Nutztiere und
Nutztierhaltung

Kommentare
und Offerten


Archiv

Beiträge - Nutztiere


***