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Domestizierung
des Hausschweins
Wie wurde das Wildschwein zum Hausschwein?
Einst vor ewigen Zeiten, als der Mensch noch nicht sesshaft war, statt
dessen noch als Jäger und Sammler nomadisierend durch die Gegend zog, musste er alles
Erforderliche für seinen Lebensunterhalt der Natur entnehmen. So ein Wildschwein war in
jenen Zeiten eine willkommende Beute und stopfte als Mahlzeit viele hungrige Mäuler.
Später im Verlauf der Sesshaftwerdung erkannte der Mensch sehr schnell, dass eine
Domestizierung des Wildschweins zum Hausschwein viele Vorteile mit sich bringen würde.
Unter anderem spielte hier sicherlich die sehr begrenzte Haltbarkeit von tierischen
Produkten eine wesentliche Rolle. Wann sich das Räuchern zur Konservierung von tierischen
Produkten durchsetzte, kann nicht mit Sicherheit geklärt werden, die Anfänge reichen
wohl bis in die Steinzeit zurück. Unabhängig davon stellte ein Hausschwein einen stetig
verfügbaren Frischfleischvorrat dar und brauchte nicht erst mühsam aufgespürt, verfolgt
und erlegt werden.
Wie diese Domestizierung vor sich ging, steht dabei auf einem völlig
anderen Blatt in den Chroniken der Urgeschichte. Die Auswertung von archäologischen
Funden und von gentechnischen Untersuchungen, stützt dabei zwar die eine oder andere
Theorie, ohne den Spielraum für gegensätzliche Theorien zu verkleinern. So ist es
zumindest nicht völlig auszuschließen, dass Wildschweine als Resteverwerter von allein
die Nähe des Menschen suchten. Zumindest ist diese Theorie nicht gänzlich zu verneinen.
Auch heutige Wildschweine suchen mitunter Kleingartenanlagen auf, um in Komposthaufen zu
wühlen und Kleingärten zu verwüsten. Würde der Mensch dieses Verhalten von
Wildschweinen wohlgesonnen betrachten, könnten Wildschweine möglicherweise von
Generation zu Generation zutraulicher werden und sich von alleine dem Menschen
anschließen.
Die Frage, wie die Domestizierung vor sich ging, kann nicht eindeutig beantwortet werden.
Anders verhält es sich mit einer Antwort auf die Fragestellung, wann und wo das
Wildschwein zum Hausschwein domestiziert wurde. So gehen Forscher und Wissenschaftler in
aller Welt mehrheitlich davon aus, dass das Hausschwein neben dem Haushund zu den ersten
domestizierten Tierarten gehört und das alle domestizierten Hausschweine vom Wildschwein
(Sus scrofa) abstammen. Bei der Fragestellung wo und wann die ersten Hausschweine
domestiziert wurden, hilft die Auswertung von archäologischer Funde weiter. So stammen
die meisten Funde aus dem Nahen Osten und dem östlichen Mittelmeer und lassen sich auf
einem Zeitraum von 7.000 bis 9.000 Jahren zurück datieren. Knochen domestizierter
Hausschweine wurden in diesen Gebieten unter anderem in Palästina, im Irak, in der
Türkei und in Griechenland gefunden. Die bisher älteste Fundstelle liegt im Südosten
der Türkei an den Ausläufern des Taurus-Gebirges und die dort gefundenen Überreste des
Hausschweins wurden auf ein Alter von rund 10.000 Jahren datiert.
Das Hausschwein wurde jedoch nicht nur in den Regionen des Nahen Ostens und des östlichen
Mittelmeers domestiziert, sondern zum Beispiel auch im altem China vor mehr als 7.000
Jahren. Weiterhin weisen neuere gentechnische Untersuchungen der DNA darauf hin, dass eine
Domestizierung des Wildschweins zum Hausschweins vermutlich in mehreren Teilen dieser Welt
zeitlich und geografisch unabhängig voneinander erfolgte. Ebenfalls vor rund 7.000 Jahren
kam das bereits domestizierte Hausschwein nach Mitteleuropa. Unabhängig vom Zeitraum ist
eine andere Frage nicht eindeutig zu klären und zwar die Frage, warum und wie das
Hausschwein nach Mitteleuropa gelangte. Es sprechen jedoch in diesem Zusammenhang viele
Funde und Theorien dafür, dass das Hausschwein als Frischfleischvorrat für
steinzeitliche Bauern diente, wenn diese sich auf Wanderschaft begaben. Wanderungen zur
Erschließung neuer landwirtschaftlich nutzbarer Gebiete, waren bereits in der Steinzeit
keine Seltenheit.
In den folgenden Jahrhunderten gingen die steinzeitlichen Bauern jedoch dazu über,
europäische Wildschweine zu Hausschweinen zu domestizieren, da diese besser an die
hiesigen Witterungsverhältnisse und an die bestehende Nahrungsgrundlage angepasst waren.
Das europäische Hausschwein erwies sich im weiteren Verlauf der Geschichte als echter
Exportschlager und verdrängte über kurz oder lang nicht nur das eingeführte Hausschwein
in unseren Breiten, sondern auch in den einstigen Herkunftsländern des Nahen Ostens.
Ausgehend von der zweiten Hochburg der frühzeitlichen Schweinezucht, dem heutigen China,
verbreitete sich das dort domestizierte Hausschwein in den folgenden Jahrtausenden über
Südostasien bis nach Australien. Noch heute werden in China die meisten Hausschweine im
Vergleich zur restlichen Welt gehalten. Der Bestand an domestizierten Schweinen lag in
China Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts bei rund 350 Millionen und soll
Mittlerweilen eine Größenordnung von rund 500 Millionen Tieren erreicht haben.
Prozentual betrachtet steht Deutschland dem kaum hinterher, da hier ein Hausschwein auf je
zwei Einwohner kommt. Lag die Gesamtzahl der weltweit gehaltenen Hausschweine Ende der
80er Jahre des 20. Jahrhunderts noch bei rund 850 Millionen, so erhöhte sich dieser
weltweite Bestand bis zum Jahre 2006 auf rund 960 Millionen Tiere. Nur an den zum Teil
miserablen Haltungsbedingungen für eines unserer ältesten Haustiere hat sich in diesen
Jahren kaum etwas geändert.
Wildschwein und
Hausschwein « / » Artgerechte
Haltung
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