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Wildkatzen,
Klein- und Großkatzen
Wilde Verwandte der Hauskatze
Es gibt sehr viele Mitmenschen unter uns Zweibeinern, die
sich selbst als Tier- liebhaber bezeichnen würden. Einige "wenige" unter all
diesen Tierliebhaberinnen und Tierliebhabern konzentriert dann ihre oder seine ganze
Tierliebe und Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Tier, sei es ein einzelner Hund oder eine
einzelne Katze, und beginnt dann dieses Tier zu vermenschlichen. Es beginnt zuweilen mit
der Frage, ob man einen Hund oder eine Katze nicht völlig vegetarisch ernähren könnte,
setzt sich fort über ungeeignete Leckerlis und hört damit auf, dass das Verhalten von
Haustieren nach menschlichen Moralvorstellungen eingestuft wird. Mit echter Tierliebe hat
dies wenig gemein, denn wem das Verhalten von Raubtieren zu wieder ist, der sollte sich
aus Tierliebe keins anschaffen und in der Wohnung halten. Eine rein vegetarische
Ernährung, die beim Hund gerade noch vorstellbar ist, könnte bei einer Raubkatze sehr
leicht zu Mangelerscheinungen führen.

© Franzis Verlag | Foto: Frank Winkler
Ein Löwe aus "Tiere der Savanne" |
Raubkatzen
unterscheiden sich in der Ernährung in vielen Punkten von Allesfressern. Zu den
Raubkatzen gehören alle Großkatzen z.B. Tiger und Löwen, doch ebenso auch die Urahnen
unserer Hauskatzen. So unterscheiden sich Haus-, Groß- und Wildkatzen von allen anderen
Säugern dadurch, dass sie nicht wie viele andere Tiere in Süßigkeiten vernarrt sind.
Der Grund für das den Katzen fehlende Geschmacksvermögen von süßen Stoffen ist recht
einfach. Im Erbgut von Katzen ist ein Gen mit der Bezeichnung T1R2-Gen funktions-
unfähig. |
Dieses Gen ist bei anderen Säugern mit für die Bildung
von gewissen Eiweißen zuständig, die sich wiederum zu Erkennungsproteinen für
Süßstoffe vereinen. Die Geschmacksknospen der Zunge bzw. deren Geschmackssinneszellen
und Rezeptoren sind aber auf funktionierende Erkennungsproteine angewiesen, um ein Tier
mit Informationen über die geschmackliche Zusammensetzung der Nahrung zu versorgen. Sind
bestimmte Gene unbrauchbar, können im Endeffekt die Rezeptoren in einem bestimmten
Geschmacksbereich keine Informationen über die entsprechende Geschmacksrichtung an das
zentrale Nervensystem weiterleiten.
Weiterhin sind alle Katzen, gleich ob es sich um Großkatzen, Wildkatzen oder Hauskatzen
handelt, auf eine lebenswichtige Aminosäure namens Taurin angewiesen, die nur in
tierischen Proteinen vorkommt.

© Franzis Verlag | Foto: Frank Winkler
Ein Leopard mit Futter auf einem Baum. |
Neben Taurin spielt für
das Gedeihen von Katzen mindestens noch eine Fettsäure namens Arachidonsäure eine
gewisse Rolle. Auch diese Arachidon- säure ist nur in tierischer Nahrung enthalten.
Katzen sind seit vielen Millionen Jahren Raubtiere (oder besser Beutegreifer) und
bleiben Fleisch- fresser. Was die Evolution in vielen Millionen Jahren reifen ließ,
sollte der Mensch nicht innerhalb weniger Jahrzehnte ändern wollen, nur weil es seinen
neuzeitlichen Vorstellungen vom Vegetarismus entspricht. Diese Zeilen sollten nicht nur
von Katzenhaltern beherzigt werden. |
Eine Verhaltensweise haben Raubkatzen und Wildkatzen mit
dem Menschen gemein. Wer unter den Raubtieren bei einem Beutezug erfolgreich war, der
teilt nicht gern und lässt noch viel weniger gern seine Beute wieder abjagen. Diese
Aussage trifft nicht nur auf zweibeinige Raubtiere zu, sondern ebenso auf andere
Beutegreifer, wie den Großkatzen oder den Wildkatzen. Ein stattlicher Löwe braucht da
nicht viele Vorkehrungen zum Schutz der Beute zu treffen. Anders ein Leopard. Um sich
erlegte Beutetiere nicht von Tüpfelhyänen oder Löwen abjagen zu lassen, versuchen
Leoparden ihre Beute in dichten Gebüschen zu sichern oder zerren die erlegte Beute auf
einem Baum, wo sie selbige dann in Ruhe genüsslich verzehren können.
Wenn hier eine Unterteilung in Großkatzen, Raubkatzen und Wildkatzen erfolgte und noch
weiterhin erfolgt, dann eigentlich nur aus dem Grund um Verwechselungen vorzubeugen.
Eigentlich sind alle Katzen mit Ausnahme der domestizierten Hauskatze zugleich auch recht
wilde Katzen. Selbst unsere Hauskatze kann sich noch recht wild benehmen. Dennoch erhielt
nur eine Art aus der Unterfamilie der Kleinkatzen den Namen Wildkatze (Felis
silvestris). Diese eine Art der Wildkatzen spaltetet sich noch einmal in drei
Unterarten auf. Bei diesen drei Unterarten handelt es sich um die Europäische Waldkatze,
ferner um die Asiatische Steppenkatze und letztendlich um die Afrikanische Falbkatze, der
eigentlichen Urahnin unserer heutigen Hauskatzen.
Freilich werden auch andere Kleinkatzen zuweilen als Wildkatzen bezeichnet, wie zum
Beispiel der Luchs. Vom Grundsatz her besehen sind ja Katzen wie der Luchs und der ihm
ähnelnde Karakal, welcher zuweilen auch als Wüstenluchs bezeichnet wird, schon irgendwie
auch Wildkatzen. Es kommt halt darauf an, wie der Begriff Wildkatze gehandhabt wird, ob
als Namen für eine Art oder als Sammelbegriff für wilde Kleinkatzen oder als Bezeichnung
für eine Unterfamilie in der Systematik.
Wie lange es
"echte" Katzen gibt, darüber streiten sich die Wissenschaftler zuweilen, weil
die Einordnung in der biologischen Systematik durch neuzeitliche Forschungsmethoden
Änderungen unterworfen ist. Die ältesten fossilen Funde eines katzenartigen
Beutegreifers mit dem Namen Proailurus wurden auf ein Alter von rund 30 Millionen Jahre
datiert.
Vor etwa 20 Millionen Jahren erschien Pseudaelurus auf der Bildfläche des zoologischen
Geschehens. Pseudaelurus gilt als direkter Ur-Urahne aller weiteren Katzen,
einschließlich der urzeitlichen Säbelzahntiger und unserer domestizierten Hauskatzen.
Bevor die Urahnin unserer Hauskatze Mäusen nachjagte, spaltete sich die Erblinie von
Pseudaelurus erst einmal in Großkatzen (Pantherinae) und Kleinkatzen (Felinae)
auf. |

© Franzis Verlag | Foto: Frank Winkler
Ein Karakal aus "Tiere der Savanne" |
Allen Katzen und somit unseren Hauskatzen ebenso wie den
Löwen, Tigern, Leoparden, Luchsen oder sonstigen Großkatzen und Kleinkatzen,
einschließlich Wildkatzen, ist gemein, dass sie sich ihrer Beute entweder durch
Anschleichen nähern oder auflauern. Katzen sind keine ausdauernden Läufer, die ihre
Beute über eine größere Distanz hetzen oder verfolgen könnten. Einige Vertreter unter
ihnen erreichen jedoch bei einem kurzen Spurt beachtliche Geschwindigkeiten. Immerhin
sollen zum Beispiel Geparden eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h bei einem kurzen
Spurt erreichen können, um ein Beutetier zu verfolgen. Wie jeder Spitzensportler sind sie
nach einem kurzen Sprint ausgepowert.
Alle Katzenarten sind im Bestand mehr oder weniger stark gefährdet, einige dem Aussterben
nahe. Ausgestorben wäre unter anderen mit Sicherheit die größte lebende Katzenart, der
Sibirische Tiger, wenn nicht strenge Schutzmaßnahmen ergriffen worden wären. Der
Chinesische Tiger fristet hingegen vermutlich nur noch in einigen chinesischen Zoos sein
Dasein und dürfte in freier Wildbahn bereits ausgestorben sein. Nicht minder schlecht ist
es um den Amurleopard bestellt, von dem es vermutlich insgesamt weniger als 50 Exemplare
noch in freier Wildbahn gibt. Einige andere Katzenarten sind bereits im letzten
Jahrhundert ausgestorben, andere sind zumindest im Bestand gefährdet.
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