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Katzenfutter
selbst zubereiten
Artgerechte Ernährung von Katzen II
Ob Tütensuppen oder Fertiggerichte in Schalen und Dosen,
für Singles oftmals die einzige warme Mahlzeit am Tag im Alltagstrott. Nur die wenigsten
Alleinstehenden bereiten sich die Mühe, für sich allein ein Festtagsmenü zu kochen.
Dennoch weiß ein jeder Single die Vorzüge einer deftigen und liebevoll zubereiteten
Mahlzeit zu schätzen. Der eine oder andere Katzenliebhaber fragt sich zuweilen ebenfalls,
ob er nicht lieber das Katzenfutter selbst zubereiten sollte, statt stetig nur auf
Fertigfutter zurückzugreifen.
Die Beweggründe für eine derartige Fragestellung mögen unterschiedlich sein, die
Antworten sind es auf jeden Fall. Unabhängig von den Beweggründen, es gibt praktisch
keinen vernünftigen Grund, der dagegen sprechen würde die Zutaten für eine
Katzenmahlzeit käuflich zu erwerben, um aus diesen Zutaten das Katzenfutter selbst
zuzubereiten. Nur eine Kosteneinsparung ist damit sicherlich kaum verbunden und sollte
auch nicht das treibende Motiv bei den eigenen Überlegungen und bei einer Entscheidung
sein.
Die Ansicht, dass praktisch jeder Halter das Futter für
seine Katzen selbst zubereiten könnte, teilen nicht alle Katzenexperten. Einige besorgte
Stimmen äußern in diesem Zusammenhang, dass Haus- und Rassekatzen nur mit Fertigfutter
vollwertig ernährt werden könnten. Weiterhin sollen Statistiken belegen, dass sich die
durchschnittliche Lebenserwartung von Hauskatzen seit der Markteinführung von
Fertigfutter erhöhte. Was sollte ein Katzenhalter von derartigen Ansichten und Aussagen
halten?
Zum Teil sind diese Ansichten und Aussagen begründet, jedoch nur zum Teil. So sollen zwar
einige Statistiken belegen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Hauskatzen seit
den 1960er Jahren gestiegen ist, doch diesen Anstieg nur mit der Verwendung von
Fertigfutter in Verbindung bringen zu wollen, wäre recht einseitig.
Unbestreitbar ist, dass eine stetige Verfütterung von Essensresten der Gesundheit von
Katzen abträglich ist. In dieser Beziehung erfolgte ein Umdenken seit den 1960er Jahren.
Essensreste enthalten viele für die Katze erforderliche Aufbaustoffe nicht oder nur in
unzureichenden Mengen, dafür jedoch für Katzen unverträgliche Gewürze und andere
schlecht verwertbare Bestandteile. Würde eine Gruppe von Katzen stetig mit Essenresten
und eine zweite Gruppe stetig mit Fertigfutter gefüttert, würde mit hoher
Wahrscheinlichkeit das Ergebnis lauten, dass eine Verfütterung von Fertigfutter der
Katzengesundheit zuträglicher ist. Dennoch wäre es recht einseitig, eine erhöhte
Lebenserwartung nur auf Fertigfutter zurückführen zu wollen.
Mit Sicherheit spielen in diesem Zusammenhang auch die Fortschritte in der
veterinärmedizinischen Versorgung eine nicht unerhebliche Rolle. Hinzu kommt ein Umdenken
bei den Katzenhaltern. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war es für die Mehrheit der
Katzenhalter keine Selbstverständlichkeit, mit einer alternden Katze bei gesundheitlichen
Problemen zum Tierarzt zugehen. Die Menschen in dieser Zeit hatten ganz andere Sorgen. Es
war eine Zeit, in welcher der Verlust von Angehörigen beklagt wurde, ein Katzenleben
hingegen nicht viel zählte.
Für ein Haustier reichte es völlig aus, ein Dach über dem Kopf zu haben und täglich so
viel an Futter zu erhalten, damit es nicht verhungert. Ob ein Heimtier dabei in einem viel
zu kleinen Käfig in Einzelhaltung ohne den Kontakt zu Artgenossen ein trostloses Dasein
fristete, darüber machte sich kaum ein Heimtierhalter Gedanken. In Zoos und Tiergärten
sah es nicht wesentlich besser aus. Gedanken über eine artgerechter Haltung und
Fütterung von Heim- und Haustieren begannen sich erst langsam zu entwickeln. Doch zurück
zum eigentlichen Thema.
Mag sein, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Katzen gestiegen ist. Die
Meinung, dass nur industrielle Fertignahrung vollwertig wäre, sollte dennoch auf keinen
Fall kritiklos übernommen werden. Eher mit einer Gegenfrage beantwortet werden. Seit wann
wird diese Auffassung vertreten? Seit dem die Produzenten von Tierfutter den Absatzmarkt
im Heimtierbereich für sich entdeckten und die Händler mit an den Umsatz verdienen. Doch
seit dem Beginn der Domestizierung der Wildkatze zur Hauskatze sind rund 9.000 vergangen.
Diesen Zeitraum überlebten die Katzen auch ohne im Labor getesteter Vollwertnahrung. Der
Leser möge sich vorstellen, 9.000 Jahre lang wurden Katzen nur nach Augenmaß und
Gutdünken gefüttert, ohne komplizierte Analysen des Futters. Was sich 9.000 Jahre lang
bewährte, sollte nun nicht mehr möglich sein?
Diese Frage kann leider in einer gewissen Hinsicht nur mit einem "jein"
beantwortet werden. Der Speiseplan einer Katze weicht in erheblichen Umfang vom Speiseplan
des Menschen ab. Das was wir nach Augenmaß und Gutdünken verfüttern würden,
entspräche oftmals eher dem Bedarf eines Allesfressers und nicht dem eines
hochspezialisierten Beutegreifers. Da die Katzen in früheren Jahrhunderten hauptsächlich
als Mäusefänger gehalten wurden, gestalteten sie weitestgehend ihren Speisplan selbst
und glichen dabei in Eigenregie den Nährstoffbedarf aus. Der Trend, Katzen ganztägig in
der Wohnung zu halten, war weniger verbreitet.
Eine Katze, die nur in der Wohnung gehalten wird, kann ihren Bedarf jedoch auch nur über
das gereichte Futter decken. Bei Wohnungskatzen kann eine unausgewogene Ernährung
leichter zu Mangelerscheinungen führen, als bei einem Freigänger. Wobei nicht gesagt
ist, dass ein Freigänger auch wirklich einen Teil seiner Nahrung selbst erbeutet. Junge
Katzen müssen den Mäusefang erst erlernen, ältere Katzen werden dafür ab einem
gewissen Alter träger. Dennoch besteht auch bei Wohnungskatzen und "faulen"
Freigängern kaum eine Gefahr der Unterversorgung, wenn das Katzenfutter selbst zubereitet
wird. Voraussetzung ist, es wird so abwechslungsreich wie möglich gefüttert, wobei die
Zutaten weniger dem menschlichen Geschmack, als vielmehr der natürlichen Nahrung
entsprechen sollten.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass in der Nahrung auch alle wesentlichen Stoffe
enthalten sind, die eine Katze benötigt, um gesund und bis ins hohe Alter vital zu
bleiben. Doch gerade hier mangelt es zuweilen bei einigen selbst aufgestellten
Speiseplänen, die mehr den Vorstellungen einer Hausfrau entsprechen, als den
tatsächlichen Ansprüchen eines Beutegreifers. Seriöse Futtermittelproduzenten sind
hingegen bemüht, Fertigfutter mit allen lebenswichtigen Nährstoffen im optimalen
Verhältnis anzureichern. Dazu findet eine Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen
statt und ebenso eine Qualitätskontrolle in eigenen Laboren. Dass die Qualität und
Zusammensetzung von Fertigfutter in der Regel gut ist, zu diesem Ergebnis kam auch
Stiftung Warentest. Bei einem Test im Jahre 2008 wurden 39 Alleinfutter näher unter die
Lupe genommen. Von den 39 getesteten Nass- und Trockenfuttersorten wurden nur 3 Produkte
als mangelhaft eingestuft, 32 Produkte hingegen als gut komponiert.
Im Fertigfutter sind in der Regel alle lebenswichtigen Nährstoffe enthalten, die eine
Katze benötigt. Eine Katze mit Nassfutter und Trockenfutter zu versorgen, ist im
Allgemeinen für eine ausgewogene Ernährung sicherer, als selbst aufgestellte, dabei
unausgereifte Speisepläne. Doch auch ein Mensch benötigt alle lebenswichtigen
Nährstoffe um vital zu bleiben. Nur welcher Mensch lebt täglich nach einer
Nährstofftabelle? Diabetiker in der ersten Zeit der Erkrankung vielleicht, später sehen
die meisten Zuckerkranken das wesentlich gelassener. Der Rest der Menschheit isst nach
Geschmack und Gutdünken. Warum fallen wir nicht alle vor Entkräftung oder
Mangelerscheinungen um?
Eine Antwort fällt einfach aus. Weil es absolut nicht darauf ankommt, alle
lebenswichtigen Nährstoffe an einem Tag oder mit einer Mahlzeit aufzunehmen. Mal etwas
weniger und mal etwas mehr gleicht sich über einen längeren Zeitraum von alleine aus.
Bei einer abwechslungsreichen Fütterung, die sich an dem Speisplan von Wildkatzen
orientiert, wird es so schnell zu keinen Mangelerscheinungen kommen, auch wenn das
Katzenfutter selbst zubereitet wird. Wichtig ist nur, der Speiseplan für Hauskatzen
orientiert sich auch an den Speisplan von Wildkatzen.
Speisplan
für Hauskatzen « zurück / weiter » Roh oder gekocht?
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