Heimtiere und Haustiere - Hunde und Wölfe
Hunde Katzen Vögel Nager Nutztiere Sonstige Tierschutz Magazin
- Home -
Literatur zum Thema
Tierbedarf & Zubehör
Navigation
  

Kontroversen um die Zwingerhaltung

Sonstige Argumente für und gegen...

Schaut ein Hundehalter sich in Foren nach Argumenten um, die für oder gegen eine Zwingerhaltung sprechen, so wird er auf unerbittlich geführte Kontroversen von Beführworten und Gegnern stoßen. Die Gegner der Zwingerhaltung finden es barbarisch, einen Hund von seinem menschlichen Rudel zu trennen, weil das nicht artgerecht sei. Die Befürworter der Zwingerhaltung kontern unter anderen mit dem Argument, dass eine artgerechte Haltung von größeren Hunden in einer Etagenwohnung praktisch nicht möglich sei. Weiterhin kommt der biologische Rhythmus von in der Wohnung gehaltenen Hunden durcheinander, wodurch sich unter anderem der Fellwechsel von der Jahreszeit löst. Darüber hinaus verschlechtert sich die Kondition, Vitalität und Widerstandskraft von in der Wohnung gehaltenen Hunden gegenüber Hofhunden. Mehr zu diesen zuletzt genannten Stichpunkten auf der einführenden Seite: Zwingerhaltung

Verallgemeinernd lässt sich behaupten, wer einen größeren oder temperament- vollen Hund nicht genug Auslauf auf dem eigenen Grundstück bieten kann, sollte sich aus Tierliebe keinen anschaffen. Eine knappe Stunde Auslauf am Tag, davon noch über die Hälfte der Zeit an einer Leine geführt, sind ein kläglicher Ersatz für einen fehlenden Auslauf.
Je nach Rasse, Alter und Gesundheitszustand sollten einem mittelgroßen Hund täglich mindestens 2, besser 3 bis 4 Stunden gewährt werden, in denen der Hund freien Auslauf hat und Kontakt zu Artgenossen aufnehmen kann. Der freie Auslauf sollte sich dabei nicht nur auf ein eingefriedetes Grundstück beziehen. Eine offene Zwingeranlage auf einem eingefriedeten Grundstück wäre jedoch der erste Schritt in die richtige Richtung, da praktisch kaum ein Hundehalter sich wirklich die Zeit nimmt, jeden Tag mit seinem Hund (im Sommer wie im Winter) einen Spaziergang von durchschnittlich rund 3 Stunden Dauer zu absolvieren.

Soziale Ansprüche und Bewegungsraum:
  • Ob Sittich, Haushuhn, Hausschwein, Haushund, Hausrind oder Pferd, beinahe alle säugenden oder flatternden Heim- und Haustiere verfügen über ein ausgeprägtes Sozialverhalten und sollten aus diesem Grunde nicht ohne Kontakt zu Artgenossen gehalten werden.
     
  • Zu einer artgerechten Haltung gehört, dass allen Heim- und Haustieren ausreichende Bewegungsmöglichkeiten geboten werden, die der Art, der Rasse und dem Alter des jeweiligen Tieres entsprechen. Bei Sittichen wäre dies der Freiflug im Zimmer oder in einer geräumigen Voliere, bei Schweinen ein Auslauf mit Suhle, bei Hauskatzen der Freilauf, bei Haushunden je nach Größe und Temperament ein eingefriedetes Grundstück plus Freilauf bei gemeinsamen Spaziergängen und bei Pferden eine eingezäunte Weide.
     
  • Jeder Hundehalter sollte bedenken, es ist weder artgerecht, noch hat es etwas mit Tierliebe gemein, wenn ein Halter einen größeren, temperamentvollen Hund zu sich in die Wohnung holt, um diesen im Bewegungsspielraum einzuengen, zu vermenschlichen und zu verweichlichen. Der tägliche, zeitlich ausgiebige Kontakt zwischen Mensch und Hund ist sehr wichtig. Doch dazu sollte sich ein verantwortungsvoller Hundehalter zum Hund hinausbewegen, um möglichst viele Stunden am Tag gemeinsam mit seinem Hund an der frischen Luft zu verbringen.

Was für jeden verantwortungsvollen Pferdehalter eine Selbstverständlichkeit ist, stößt leider bei vielen Hundehaltern nach wie vor auf taube Ohren. Jeder verantwortungsvolle Pferdehalter weiß, dass ein Pferd am besten in Gesellschaft anderer Pferde auf einer Weide aufgehoben ist und das ein Pferd zusätzlich noch ausgiebigen Kontakt zum Menschen benötigt, wenn der gemeinsame Umgang dem Menschen wie dem Tier dauerhaft Freude bereiten soll. Doch kein Pferdehalter würde auf die Idee verfallen, ein Pferd aus Bequemlichkeitsgründen mit in der Wohnung zu halten, statt zum Pferd hinaus zu gehen.
Der Leser möge bedenken, weder sollte ein Pferd getrennt von der Herde, noch ein Schwein getrennt von der Rotte oder ein Hund getrennt vom Rudel gehalten werden. Außerdem sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass allen gehaltenen Haustieren ausreichend große Freiflächen zur Verfügung stehen, um den natürlichen Bewegungsdrang nicht über Gebühr einzuschränken.
Leider werden selbst große Hunde immer noch einzeln ohne ausreichenden Kontakt zu Artgenossen in Wohnungen gehalten, wobei sich der tägliche Auslauf oftmals auf kurze Gassigänge beschränkt. Obwohl der Mensch vom Hund als vollwertiges Rudelmitglied akzeptiert und in der Regel auch als Rudelführer angesehen wird, wird der Mensch seinen Verpflichtungen als Rudelführer nur selten gerecht. Zu seinen Verpflichtungen würden halt täglich längere Spaziergänge oder Wanderungen gehören, zumindest jedoch längere Aufenthalte an der frischen Luft, um den Hund und sich selbst fitt zu halten. Ein Rudelführer ist halt nur dann ein bescheidener Ersatz für den Kontakt mit Artgenossen, wenn er sein Rudel auch anführt.
Eine ganztägige Einzelhaltung in einem Hundezwinger von beschränkter Größe, ohne Zugang zu einem eingefriedeten Grundstück, ist jedoch keineswegs besser. Zumal bei einer derartigen Haltung die negativen Auswirkungen des fehlenden Kontakts zu Artgenossen noch durch den eingeschränkten Kontakt zum Menschen verstärkt würden und mit Sicherheit psychische Spuren hinterlassen würden. Das Eine ist wie das Andere abzulehnen.

Ausreichende Bewegungsmöglichkeiten sind sehr wichtig für einen Hund, aber nicht alles in einem Hundeleben. So liegt auch das Verbuddeln von Knochen oder Nahrungsresten in der Natur des Hundes. In einem Zwinger lässt sich eine Buddelecke einrichten, bei der Hofhaltung sucht sich hingegen der Hund eigenständig einen geeigneten Fleck für seine Tiefbauvorhaben. Nur in der Wohnungshaltung finden die meisten Hundehalter es weniger toll, wenn ein Hund in Verwesung übergehende Reste unter dem Teppich verstecken möchte. Einen Hund das Buddeln verbieten zu wollen, hat hingegen nichts mit artgerechter Tierhaltung gemein. Nur eine gewisse Steuerung an Blumenbeeten vorbei ist zuweilen erwünscht, wenn auch in der Regel schwer realisierbar.

Nicht jeder Bewohner einer innerstädtischen Etagenwohnung möchte freilich auf einen Hund als Sozialpartner verzichten. In diesem Fall sollte zumindest bei der Anschaffung eine kleinere und vom Wesen ruhigere Hunderasse gewählt werden, die besser für die Wohnungshaltung geeignet ist. Wichtig ist, auch Stubenhunden sollte ausreichend Freilauf bei täglichen Spaziergängen gewährt werden.
Einen größeren oder temperamentvolleren Hund sollte hingegen keine reine Wohnungshaltung in einer Etagenwohnung auf Dauer zugemutet werden. Eine vertretbare Variante der Wohnungshaltung bietet die Freilaufhaltung innerhalb eines eingefriedeten Grundstücks, realisierbar über eine Hundeklappe. Hundeklappen gibt es in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Ein Hund kann dann von sich aus entscheiden, ob er sich lieber in der Wohnung oder auf dem eingefriedeten Grundstück aufhält und braucht seine tierischen Bedürfnisse nicht mit Kratzen an der Tür zu signalisieren. Ist der Einbau einer Hundeklappe nicht erwünscht oder mit Problemen verbunden, bleibt nur die Zwingerhaltung.

Wohlgemerkt, bei der Zwingerhaltung geht es um eine zeitliche Trennung und um kein Wegsperren. Ein Berufstätiger, der mit An- und Rückfahrt rund 10 Stunden abwesend ist, der hat die Wahl, ob er seinen Hund 10 Stunden in einen Zwinger mit genügend großen Auslauf beherbergt oder 10 Stunden in eine Wohnung einsperrt. Unter genügend großer Auslauf ist in diesem Fall zu verstehen, dass der Hund vom Zwinger aus freien Auslauf hat, zum Beispiel auf einem Hof, auf dem der Zwinger errichtet wurde. Der Hundezwinger einschließlich der Hundehütte sollte dem Hund in diesem Fall nur als Rückzugs-, Fress- und Ruheraum dienen.
Ein großer, temperamentvoller Hund, der sich während der Abwesenheit seines berufstätigen Halters vom Zwinger aus frei auf einem 100 bis 200 m² großen Hof bewegen kann, hat es auf jeden Fall besser als ein Hund, der während der Abwesenheit des Halters in eine Wohnung eingeschlossen wird. Kann einem Hund kein ganztägiger ungehinderter Freilauf gewährt werden, sollte hingegen die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestgröße eines Zwingers mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht werden. Sollte es dem zukünftigen Halter jedoch auch für letzteres am erforderlichen Platzbedarf fehlen, so gibt es genügend kleinere Hunderassen, die sich für die Wohnungshaltung eignen.

Wie sieht es nun mit der Trennung eines Hundes vom menschlichen Rudel aus? Ein Hund leidet nicht unter einem zeitweiligen Alleinsein, insofern er langsam daran gewöhnt wird. Es gehört zu den natürlichen Verhaltensweisen von Wölfen, dass Jungwölfe ihr Rudel verlassen, um für einige Zeit allein umherzustreifen. Ziel der Jungwölfe ist es, sich mit beginnender Geschlechtsreife eigene Reviere zu suchen. Auch gehört es zu den Verhaltensweisen des Wolfes, dass eine Wölfin ihre Welpen zeitweilig allein lässt. Es sei betont, dass mit einem zeitweiligen Alleinsein beim Hund ein stundenweises Alleinsein gemeint ist und keine dauerhafte Vernachlässigung eines Hundes. Hunde wie Wölfe sind soziale Wesen. Eine dauerhafte Einzelhaltung eines Hundes ohne Kontakt zu Artgenossen oder Menschen würde zu psychischen Störungen führen. Dennoch leidet kein Hund, der langsam an eine Nächtigung in einer Hundehütte gewöhnt wird, da er letztendlich im Schlafzimmer auch nicht mit hinein dürfte.

Zwingerhaltung « / » Hundehütten und Hundezwinger | Hundehaltung
 

- Magazin -

Tiere in
Heim und Haus

News, Beiträge
und Themen


Hunde

Evolution und
Domestizierung

Vom Wolf zum Haushund
Menschen der Altsteinzeit
Evolutionäre Veränderung
des Wolfes

Zwingerhaltung
Hundezwinger


Weiterführende
Hinweise

Der Wolf und der
Hund im Web

Kommentare
Meinungen & Kritiken


Archiv

Beiträge - Hunde
Übersicht


***