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Entstehung der Hunderassen

Der Mensch und der frühzeitliche Haushund

Überall dort, wo der Mensch im Laufe seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung begann wilde Tiere zu seinem Nutzen zu domestizieren, begnügte er sich mit voranschreitender Zivilisierung nicht allein mit der Zähmung dieser Tierarten. Die Betonung liegt hier auf voranschreitende Zivilisierung, da das Verhältnis Mensch und Tier bei den Jägern und Sammlern bis zum Beginn der Sesshaftwerdung ein anderes war als in unseren Tagen. Zumindest beim Haushund kann der Leser davon auszugehen, dass dieses Verhältnis bei den Jägern und Sammlern, nicht minder bei den ersten Ackerbauern und Viehzüchtern, im weitesten Sinne noch mehr einer Art von Symbiose zwischen Mensch und Tier entsprach, als einer gezielten Züchtung von Hunderassen.

Frühzeitliche Haushunde

Dass der Mensch bereits vor rund 15.000 Jahren zumindest gelegentlich junge Wölfe aufzog, belegen archäologische Funde. Nur erlauben diese Funde lediglich begrenzte Rückschlüsse auf das Verhältnis des Menschen zum Wolf bzw. zum frühzeitlichen Haushund. Ob gezähmte Wölfe oder frühzeitliche Haushunde bereits in jenen Jahren dem Menschen als Jagdhelfer oder als Wachhunde dienten, kann zumindest durch derartige Funde nicht belegt werden.

Neuzeitliche Erkenntnisse von Verhaltensbiologen, so unter anderem die Beobachtungen vom Verhaltenforscher und Wolfsexperten Erik Zimen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, weisen jedoch darauf hin, dass gezähmte Wölfe oder frühzeitliche Haushunde vermutlich als Jagdhelfer oder als Wächter ungeeignet waren. So verwies Zimen darauf, dass ein Wolf, im Gegensatz zu einem ausgebildeten Jagdhund, niemals erlegte Beute apportieren würde.


Der frühzeitliche Haushund als Wachhund oder Resteverwerter?

Gegen die Eignung von zahmen Wölfen als Wachhunde spricht, dass Wölfe vom Wesen her besehen recht scheue Tiere sind. Vor einer Gefahr würden sich Wölfe eher durch Flucht in Sicherheit bringen, als sich dieser Gefahr grundlos zu stellen. Die Fluchtdistanz von Wölfen ist wesentlich höher, als die Fluchtdistanz von heutigen Haushunden. Ein Hund würde, je nach Temperament und Wesenstärke, auf einem Eindringling zulaufen, diesen anbellen, eventuell beißen. Nicht so ein Wolf. Ein Wolf würde die Flucht ergreifen, es sei denn es handelt sich beim Eindringling oder beim Störenfried um ein Beutetier oder um einen anderen Wolf, gegen dem ein Revier oder die Rangordnung verteidigt werden muss.

In der Neuzeit gehen wildlebende Wölfe dem Menschen aus dem Wege. Der Mensch bedeutet für Wölfe eine Gefahr und gehört nicht in ihr Beutespektrum. Doch wie sah das Beutespektrum des Wolfes vor 20.000 oder 30.000 Jahren aus? Kam es gegen Ende der Altsteinzeit vor, dass unsere Vorfahren gelegentlich dem Wolf zum Opfer fielen, weil Menschen im Jungpaläolithikum noch als Ersatzlösung bei Nahrungsknappheit vereinzelt auf dem Speiseplan des Wolfes standen?

Wenn ja, so wäre es zumindest denkbar, dass einzeln aufgezogene Wolfswelpen in späteren Jahren einen gewissen Schutz vor fremden Wölfen boten. Wahrscheinlicher ist hingegen, dass einzelne Wölfe oder Wolfsrudel die Nähe des Menschen suchten und sich auf die Verwertung von Nahrungsresten und sonstigen menschlichen Abfallprodukten spezialisierten. Diese Wölfe dürften ebenfalls ihr Nahrungsrevier vor Artgenossen verteidigt haben. In der Verwertung von Nahrungsresten, ebenso im Vertilgen von sonstigen Abfallprodukten des Menschen durch zahme oder halbzahme Wölfe, sehen einige Autoren eine wichtige Hygienefunktion. Nebenbei bemerkt, mit diesen sonstigen Abfallprodukten sind in diesem Zusammenhang menschliche Ausscheidungsprodukte gemeint.

Das es sich sehr wohl so oder ähnlich vor vielen Tausenden von Jahren verhalten haben könnte, dafür spricht noch heute das Verhalten von Pariahunden. Bei Pariahunden handelt es sich um urtümliche, in der Nähe von menschlichen Siedlungen lebenden Hunden, die vom Menschen jedoch nicht gefüttert werden. Unter anderem ging Zimen in seinem Buch "Der Hund" darauf ein, wie die Hunde der Turkana, einem afrikanischen Volk in Kenia, den Kot von Kleinkindern verzehren, auch den von Erwachsenen nicht verschmähen und somit die Siedlungen reinhalten.


Der Wolf als Resteverwerter

Dass sich der Wolf langsam als Resteverwerter dem Menschen anschloss, für diese Vermutung sprechen auch archäologische Funde. Bei Ausgrabungen an den Wohnplätzen einstiger Mammutjäger, welche der Jagd auf Mammuts im erdgeschichtlichem Zeitalter des Jungpaläolithikums nachgingen, fanden Archäologen unter anderem auch Überreste von Wölfen.

Das Besondere an diesen zu Tage geförderten Skelettresten von Wölfen war, dass ein Teil der Unterkiefer Anomalien im Bezug auf die Stellung der Zähne aufwies. Diese Zahnstellungsanomalien weisen auf eine veränderte Ernährungsweise der Wölfe in der damaligen Zeit hin. So sind bei heutigen freilebenden Wölfen Zahnstellungsanomalien nur selten nachweisbar. Bei vom Menschen ernährten und in Zoologischen Gärten lebenden Wölfen sind derartige Anomalien hingegen keine Seltenheit, so dass von einem Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Zahnstellungsanomalien und einer verränderten Ernährungsweise der Wölfe ausgegangen werden kann.


Vom Resteverwerter zum Rassehund

Dass sich von Natur aus eigentlich eher scheue Wildtiere den Siedlungsgebieten des Menschen immer mehr annähern, um sich auf die Verwertung von Resten zu spezialisieren, dieses Verhalten von einigen Wildtierarten kann der Leser auch in unseren Tagen noch beobachten. Vorausgesetzt er möchte es, so könnte ein interessierter Tierfreund diese Vorstufe zur Domestizierung selbst in Deutschland noch beobachten. So werden unter anderem in einigen Orten Deutschlands Wildschweine und Waschbären zur vermeintlichen Plage, obwohl diese Tierarten sich doch nur auf die Verwertung von genießbaren Abfällen spezialisieren. Die Wölfe im Jungpaläolithikum verhielten sich vermutlich nicht sehr viel anders, als die immer weiter in menschliche Siedlungsgebiete vordringenden Wildschweine und Waschbären in unseren Tagen.

In arktischen Regionen sind es Eisbären, die sich aus Hunger und zum Teil auch aus Neugier, gern in der Nähe von menschlichen Siedlungen umschauen. Je weiter der Klimawandel indirekt zur Nahrungsverknappung beiträgt, um so öfter wird dieses Verhalten beobachtet. Der Unterschied zwischen den heutigen Eisbären und den eiszeitlichen Wölfen dürfte somit weniger im Verhalten bestehen, als vielmehr in der Tatsache, dass auch gezähmte Eisbären unberechenbar bleiben.

Wie lange diese Gewöhnungsphase des Wolfes an menschliche Abfallprodukte dauerte, darüber können Wissenschaftler bislang nur spekulieren. Archäologische Funde sind lückenhaft und Gen-Studien widersprechen sich. Vielleicht handelte es sich um einen Zeitraum von wenigen Tausend Jahren, vielleicht jedoch um einen sehr viel längeren Zeitraum.


Quellen, Literatur u. Buchempfehlungen:

Der Hund
Autor: Erik Zimen
W. Goldmann Verlag, München, 1992
Nähere Einzelheiten und Infos über neuere Auflagen finden Sie hier:

- Buchempfehlungen -

Der Mensch und seine Haustiere
Autor: Norbert Benecke
Parkland / Lizenz Theiss Verlag, Stuttgart, 2001

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