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Die
Domestizierung des Hundes
War der Weg vom Wolf zum Hund eine evolutionäre
Veränderung?
Das genetische Alter unserer heutigen Haushunde und die
Frage, ob die Menschen in der Altsteinzeit bereits in der Lage waren Wölfe zu
domestizieren, erweist sich als ein bislang ungelöstes Rätsel. Möglicherweise handelt
es sich jedoch um keine Domestizierung des Wolfes durch den Menschen, sondern lediglich um
eine evolutionäre Verhaltensänderung in Folge veränderter Umweltbedingungen. Diese
Möglichkeit ist zumindest nicht völlig abwegig. Um das Verhalten und Nebeneinander von
Mensch und Wolf in der Altsteinzeit besser zu verstehen, könnte es sich von Vorteil
erweisen, einen Blick auf andere Tiere zu werfen, die am Anfang bei einer Nahrungskette
stehen.
Als Vergleich soll hier der vermeintliche König der Tiere
stehen. Wohl jeder Leser, welcher ab und an einmal einen Tierfilm über den Beutezug von
Löwen gesehen hat, kennt folgende Reihenfolge als filmische Motive. Eine Antilope oder
ein Zebra wurde von Löwen erlegt. Als erstes laben sich nun die Löwinnen und Löwen
entsprechend ihres sozialen Ranges an dem Schmaus. Der Geruch zieht Hyänen an. Die
Hyänen warten voller Ungeduld in einiger Entfernung darauf, dass die gesättigten Löwen
sich verziehen, um die Reste zu verwerten. Doch damit nicht genug, nach den Löwen und
Hyänen kommen die Aasgeier an die Reihe, um die letzten Reste von den Knochen zu zupfen.
Dieses Szenario ließe sich ohne weiteres auf das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf in
der Altsteinzeit projizieren. Nur das hier an Stelle der Löwen der Mensch gesetzt wird
und der Wolf die Stelle der Hyänen einnehmen könnte. Um es ein wenig mehr zu
verdeutlichen, die Menschen der Altsteinzeit hatten es gelernt gemeinschaftlich zu jagen.
Die gemeinschaftliche Jagd ermöglichte es ihnen auch Beutetiere zu erlegen, denen ein
einzelner Jäger von der Größe her nicht gewachsen wäre. Vorratstechniken waren noch
nicht bekannt und was nicht vor dem Einsetzen der Verwesung verwertet werden konnte, das
blieb liegen.
Umherstreifende Wölfe jagten zwar auch weiterhin allein ihre Beute wie in den
Hundertausenden von Jahren zuvor, nur wenn sich die Gelegenheit bot, so verwerteten sie
möglicherweise auch die Reste der vom Steinzeitmenschen erlegten Tiere. Je mehr Wild der
Mensch durch Vervollkommnung seiner Jagtechniken erlegte, je öfter bot sich
möglicherweise auch den Wölfen die Gelegenheit einige Reste zu verwerten. Dieses
mögliche Verhalten der Wölfe war eventuell, in Abhängigkeit vom Wildbestand sowie der
Häufigkeit von menschlichen Jägern und anderen Umwelteinflüssen, von Population zu
Population sehr unterschiedlich ausgeprägt und nur in einigen Wolfspopulationen in
räumlich begrenzten Arealen könnte ein verändertes Verhalten eine evolutionäre
Veränderung bereits vor mehr als 100.000 Jahren ausgelöst haben.
Unter evolutionäre Veränderung ist hier keine wesentliche Veränderung des Wolfes in
Richtung Haushund zu verstehen, als vielmehr ein Weg in sehr kleinen Schritten. So eine
Veränderung könnte bereits in der Verringerung der artspezifischen Fluchtdistanz
gegenüber Menschen bestehen. Diese evolutionären Sprünge sind in unseren Tagen zum
Beispiel mit einer Verstädterung von an sich scheuen Wildtieren zu vergleichen, bei denen
die Fluchtdistanz ebenfalls unter bestimmten Vorraussetzungen schrumpft. Mit
Domestizierung des Wolfes hätte diese evolutionäre Veränderung dann freilich wenig zu
tun gehabt und die eigentlich Domestizierung begann vermutlich erst hunderttausend Jahre
später.
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