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Der
frühe Mensch und der Wolf
Konnten die Menschen der Altsteinzeit bereits Tiere
domestizieren?
Wie bereits auf der vorausgehenden Seite angeführt, so
lässt zumindest eine Gen-Studie aus dem Jahre 1997 schlussfolgern, dass der Haushund
eventuell bereits auf ein genetisches Alter von 100.000 bis 135.000 Jahren zurückblicken
kann. Doch das der Wolf und der Haushund bereits seit 135.000 Jahren in ihren genetischen
Erbmassen auseinander driften sollen, diese Behauptung beruht auf Berechnungen und nicht
auf archäologische Befunde, die diese Theorie und die Berechnungen untermauern könnten.
So werden von einigen Wissenschaftlern die Ergebnisse der Studie nicht ganz unbegründet
angezweifelt.
Die Auswertung einer weiteren Gen-Studie aus dem Jahre 2002 ergibt hingegen ein
vermutliches Alter des Haushundes von rund 15.000 Jahren und scheint somit den Zweiflern
recht zu geben. Für ein Alter des Haushundes von rund 15.000 Jahren sprechen ebenfalls
die Datierungen bisheriger archäologischer Funde, die sich recht gut in ein Zeitfenster
von rund 13.000 bis 17.000 Jahren einordnen lassen.
Andere Forscher halten es wiederum für möglich, dass
Wölfe bereits vor mehr als 15.000 Jahren in sicherer Entfernung mit nomadisierenden
Jägern und Sammlern umherstreiften und deren Reste verwerteten. Wieder andere bezweifeln
eine derartige Taktik von Wölfe in der Annahme, dass Wölfe nicht auf die Überreste von
menschlichen Lagerstädten angewiesen waren, eigenständig wesentlich besser jagen
konnten, bzw. das die Menschen in der Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) erbeutete Tiere
selbst restlos verwerteten.
Wer sich mit dieser Problematik etwas näher auseinander setzen möchte, kommt nicht umhin
sich erst einmal ein Bild von den frühen Menschen zu formen. Waren die Menschen bereits
vor über 15.000 Jahren in der Lage wilde Tiere zu domestizieren? Diese Frage ist nicht
eindeutig zu beantworten. Hier kann ein Mensch der Neuzeit sich nur ein sehr grobes Bild
an Hand von archäologischen Funden basteln, welches jedoch als Mosaik betrachtet noch
sehr viele lückenhafte Segmente enthält.
Archäologische Funde von als Werkzeug dienenden einseitig und zum Teil bereits zweiseitig
behauenen Steinen, so benannte Chopper und Chopping Tools, wurden bis auf einen Zeitraum
von cirka 2 Millionen Jahren zurück datiert. Vor etwa 1,5 Millionen Jahren begann der
Mensch dann die allseits bekannten Faustkeile zu fertigen. Bereits unter den Chopping
Tools finden sich auch kleinere Steinwerkzeuge, die zum Teil als Schabsteine gedient haben
könnten, zum Beispiel um das Fleisch restlos von den Knochen zu schaben, damit nichts
mehr für die Wölfe übrig bleibt.
Weiterhin wird angenommen, dass der Mensch bereits in der Altsteinzeit lernte, das Feuer
für sich zu nutzen. Die ältesten bisher bekannt gewordenen archäologischen Funde, die
auf eine vom Menschen genutzte Feuerstelle hinweisen, wurden auf ein Alter von rund
790.000 Jahren datiert. Der Zeitraum, in dem der Mensch lernte selbst Feuer zu entfachen,
ist hingegen noch umstritten. Ob die Menschen sich vor 100.000 Jahren bereits darauf
verstanden mit Hilfe von Katzengold (Eisenpyrit) und Feuersteinen Funken zu schlagen, ist
in nichts bewiesen, kann jedoch vermutet werden. Zumindest ist der Gedanke nicht abwegig,
dass die Menschen der Altsteinzeit die Funkenbildung bei der schlagenden Fertigung von
Chopping Tools zum entfachen von Feuern nutzen lernten. Doch damit bleibt die Frage noch
ungeklärt, ob die Menschen der Altsteinzeit bereits in der Lage waren, Wölfe zu Hunden
zu domestizieren. Dazu auf der nachfolgenden Seite mehr.
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