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Soziale Kontakte zu Artgenossen

Artgerechte Pferdehaltung II

Das Pferd entwickelte sich durch die züchterische Hand des Menschen in den letzten Jahrtausenden zu einem Nutztier, welches wie kaum ein anderes Haustier unsere kulturelle Entwicklung mit beeinflusste und prägte. Doch obwohl das Pferd bereits vor rund 5.000 bis 7.000 Jahren vom Menschen domestiziert wurde, ist es dennoch nicht mit anderen Haustieren vergleichbar. So suchten Pferde im Unterschied zu Wölfen und Katzen vermutlich nicht von allein die Nähe des Menschen. Dieser Unterschied wirkt bis heute im Sozialverhalten von Pferden fort. Während Katzen soziale Kontakte während ihrer Freigänge knüpfen können und Hunde den Menschen als vollwertiges Rudelmitglied akzeptieren, benötigen Pferde nach wie vor den Kontakt zu Artgenossen. Aus diesem Umstand ergibt sich, dass die Einzelhaltung eines Pferdes im Widerspruch zur artgerechten Pferdehaltung steht.

Mit der vorausgehenden Aussage soll nicht behauptet werden, dass ein Pferd nicht in der Lage wäre soziale Kontakte zum Menschen aufzubauen. Pferde sind sehr wohl in der Lage soziale Kontakte zu menschlichen Zweibeinern zu knüpfen. Diese sozialen Kontakte beginnen nicht beim Reiten oder bei der Verrichtung von Arbeit, sondern bei der Fellpflege und Fütterung. Speziell die Fellpflege hat in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung, da eine gegenseitige Pflege des Fells zum natürlichen Verhaltenrepertoire von befreundeten Pferden gehört. Befreundete Pferde pflegen sich gegenseitig das Fell, in dem sie sich vom Hals bis zum Schwanz gegenseitig beknabbern. Dabei wird nicht nur das Fell mit den Schneidezähnen durchkämmt, sondern auch der eine oder andere Plagegeist (Ektoparasit) entfernt.
Gleich und gleich gesellt sich gern, dieses Sprichwort trifft nicht nur auf die Schließung von sozialen Kontakten beim Menschen zu, sondern auch bei der gegenseitigen Fellpflege von Pferden und bezieht sich bei den Pferden auf die Rangstufe.

Obwohl bei einer Einzellhaltung der Mensch diese Fellpflege als Ersatz übernimmt oder zumindest übernehmen könnte und sollte, kann er dem Pferd dennoch kein vollwertiger Ersatz für einen tierischen Sozialpartner sein. Allein räumliche und zeitliche Gründe stehen dem bereits entgegen, es sei denn, er würde in Sichtweite des Pferdes nächtigen. Eine Katze oder ein Hund kann mit in der Wohnung nächtigen, ein Pferd hingegen nicht. Ein Mensch würde hingegen nur ungern im Stall oder auf der Weide unter freien Himmel dauerhaft sein nächtliches Ruhelager aufschlagen. Ein Pferd legt sich jedoch nur dann entspannt zur Ruhe nieder, wenn es sich völlig sicher fühlt. Dieses Gefühl der Sicherheit stellt sich bei der Weidehaltung nur dann ein, wenn ein weiteres Pferd während der nächtlichen Ruhezeit Wache hält.
Zumindest belegen viele Beobachtungen, dass sich in einer Herde nie alle Pferde gleichzeitig hinlegen, sondern immer nur einige Pferde, während mindestens ein Pferd Wache hält, um vor möglichen Gefahren durch Beutegreifer zu warnen. Doch nur im Liegen erreichen Pferde wirklich eine Tiefschlafphase, während im Stehen ruhende Pferde hingegen nur in einer Art von Dämmerzustand vor sich hin dösen. Besonders für Fohlen und jüngere Pferde sind Tiefschlafphasen vermutlich jedoch sehr wichtig für die physische und psychische Regeneration.
Mit den Jahren scheint deren Bedeutung bei älteren Pferden hingegen abzunehmen. Besonders ältere Pferde, die nur noch schwer wieder auf die Beine kommen, legen sich kaum noch oder gar nicht mehr hin. Wobei sich die Veränderung der Schlafgewohnheiten älterer Pferde nicht nur auf die schwindende Elastizität der Gliedmaßen zurückführen lässt, sondern auch mit dem sich erhöhenden Druck auf die inneren Organe verbunden ist. Insbesondere nimmt der Druck auf die Lunge in der Seitenlage mit höherem Körpergewicht zu.

Ob gegenseitige Körperpflege, Ruhephasen oder weitere artspezifische Verhaltenweisen, soziale Kontakte zu Artgenossen sind wichtig für eine ausgeglichene Psyche eines Pferdes. Bei der Einzelhaltung eines Pferdes sind hingegen psychische Verhaltensstörungen nicht auszuschließen. Je weniger sich ein Halter um ein einzeln gehaltenes Pferd kümmert, um so mehr sind psychische Verhaltensstörungen vorprogrammiert. Grundsätzlich ist eine Einzelhaltung eines Pferdes nicht artgerecht und aus Tierschutzgründen abzulehnen.
Zu diesem Schluss kommt auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) in einem Positionspapier, welches Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen aus der Sichtweise des Tierschutzes enthält. Unter anderen wird in diesem Positionspapier gefordert, dass in jeder Haltungsform mindestens der Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zu anderen Pferden zu gewährleisten ist.

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