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Evolution
des Pferdes
Vom kontinentalen Austausch über Landbrücken
Die Evolutionsgeschichte des Pferdes ist im Vergleich zur
Stammesgeschichte anderer Tierarten recht gut mit paläontologischen Funden von Fossilien
und Skelettresten belegbar. Nur bei der Einordnung der Funde in den Stammbaum, sowie in
Hinsicht auf die Ausbreitung der Equiden, gibt es ungeklärte
Fragen. Eine dieser noch nicht völlig geklärten Fragen betrifft ein kleines Tier mit
einer Schulterhöhe von nicht mehr als 40 cm (nach anderen Angaben nicht mehr als 20
cm) und dem wissenschaftlichen Namen Hyracotherium. Dieser kleine Pflanzenfresser
durchstreifte vermutlich in kleinen Gruppen vor etwa 55 bis 45 Millionen in Nordamerika
und Eurasien urzeitliche Wälder.
Von der systematischen Stellung her betrachtetet, wurden
die Hyracotheriums einst den Pferden zugeordnet und galten als erste Sprosse auf der
Leiter der Evolution des Pferdes, später gingen viele Wissenschaftler dazu über, das
Hyracotherium nur noch als einen Verwandten der Pferde anzusehen und in die Familie der
Palaeotheriidae einzuordnen. Die Palaeotheriidae lebten etwa in einem erdgeschichtlichen
Zeitraum von vor 50 bis 30 Millionen Jahren und starben nach diesem Zeitraum aus, wobei
das Verbreitungsgebiet vermutlich überwiegend auf Eurasien beschränkt war.
Einig sind sich die Forscher mehr oder wenig, dass sich die eigentliche Evolution des
Pferdes in Nordamerika vollzog und auch darüber, dass Seitenlinien wiederholt von und
nach Eurasien ein- und auswanderten. So deuten nach dem gegenwärtigen Stand der
Erkenntnisse (2010) fossile Funde darauf hin, dass das Hyracotherium einst von
Europa nach Nordamerika einwanderte und sich in Nordamerika weiter entwickelte.

Frei gestaltet (leicht geändert) nach einem Modell
von Dr. Ron Blakey | http://jan.ucc.nau.edu/... |
Ein Blick auf die Lage der Kontinente zu
Beginn der Kreidezeit vor rund 145 Millionen Jahren lässt erkennen, dass zwischen
Nordamerika und dem heutigen Grönland noch eine Verbindung der Landmassen bestand, dafür
jedoch keine nach Südamerika. Auch hatten sich Südamerika und Afrika noch nicht von
einander getrennt. Die Trennung zwischen Grönland und Nordamerika vollzog sich vor cirka
135 Millionen Jahren. |
Im erdgeschichtlichen Zeitraum betrachtet ein wenig
später, so vor rund 120 bis 100 Millionen Jahren (wobei diese Zahlangaben je nach
Quelle schwanken), trennten sich auf Grund der Kontinentaldrift Südamerika und
Afrika von einander, eine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika bestand hingegen noch
nicht. Wenn nun seit über 100 Millionen von Jahren keine Verbindung mehr zwischen
Nordamerika und dem Europa bestand, wie schafften es dann die Hyracotheriums in
Nordamerika einzuwandern und wie schafften es später die Pferde (Equiden) von Nordamerika
nach Eurasien einzuwandern bzw. wie kam es zu einem genetischen Austausch von Vertretern
der Fauna beider Kontinente, wovon des öfteren in der Literatur zu lesen ist?
Das es zu einem Austausch von Vertretern der Fauna beider Kontinente kam, diese Auffassung
vertreten Paläozoologen wie Archäozoologen und gehen davon aus, dass mindestens noch
eine, wenn nicht zwei Landbrücken bis zum Beginn des Eozäns bestanden. In Frage kommen
die De-Geer-Landbrücke und die Thule-Landbrücke, welche beide Eurasiens mit Grönland
und Grönland wiederum mit Nordamerika verbanden. Später, als diese Landbrücken im Meer
versanken, entstand die Beringia und die Bering-Landbrücke. Beide verbanden Nordamerika
mit Asien.
Über das Bestehen, Werden und Vergehen dieser Landbrücken sind sich die Paläogeologen
und Paläogeographen nicht völlig einig. So könnte die Thule-Landbrücke durch
aufsteigendes Magma bei vulkanischen Aktivitäten entstanden sein, die Beringia und
Bering-Landbrücke hingegen durch eine Absenkung des Meeresspiegels während der letzten
Eiszeit. Forscher gehen davon aus, dass auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit die
kontinentalen Eismassen den Meeren so viel Wasser entzogen und banden, dass der
Meeresspiegel bis zu 130 Meter tiefer lag als heute. Durch diese Absenkung des
Meeresspiegels bildeten sich Landbrücken, die einen kontinentalen Austausch von
Vertretern der Flora und Fauna begünstigten und ermöglichten.
Während der letzten Eiszeit bildeten sich nicht nur die Beringia und die
Bering-Landbrücke zwischen Nordamerika und Asien, sondern im Oligozän vor rund 34 bis 23
Millionen von Jahren wuchsen auch die Kontinente Europa und Asien zusammen. Weiterhin
bildete sich vor rund 20 Millionen Jahren eine Landbrücke zwischen der Pyrenäenhalbinsel
und Afrika, etwa dort wo sich heute die Straße von Gibraltar befindet. Eine weitere
Landbrücke bestand zeitweilig über Sizilien und verband das heutige Italien mit dem
nördlichen Afrika. Auch wuchs Eurasien ab dem Miozän östlich des Mittelmeers stetig
mehr mit Afrika zusammen. Die ersten Vertreter der Equiden wanderten vor cirka 10
Millionen von Jahren in Afrika ein. Ebenfalls ist es nachvollziehbar, dass die ersten
Equiden Südamerika im Pliozän vor rund 4 bis 3 Millionen Jahren erreichten, da sich bis
zu dieser Zeit auch eine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika gebildet hatte.
Ohne die Bildung von Landbrücken und dem Zusammenwachsen der Kontinente hätte die
Evolution zwangsläufig einen völlig anderen Verlauf genommen.
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