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Domestizierung
des Pferdes
Vom Urwildpferd zum Hauspferd
Wann und wo Wildpferde erstmalig domestiziert wurden, ist
mehr oder weniger umstritten und lässt sich auch nur schwerlich eingrenzen. Sehr
wahrscheinlich ist, dass die Domestizierung des Urwildpferdes zum Hauspferd nicht nur in
einer Region stattfand. Wildpferde lebten einst über weite Areale Eurasien verstreut und
es ist sehr wahrscheinlich, dass die Menschen in der Jungsteinzeit (Neolithikum) an
verschieden Orten zeitnah, jedoch unabhängig voneinander den Versuch unternehmen, Pferde
zu domestizieren. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich auf eine Spanne von 3.000 bis 5.000
Jahren vor unserer Zeitrechnung.
Mit einem Alter von 5.000 bis 7.000 Jahren gehört das Hauspferd,
im Vergleich zu einigen anderen Haustierarten, nicht zu den frühzeitig domestizierten
Haus- tieren. Tierarten, wie der Haushund, die Hauskatze, das Hausrind oder das Hausschaf
wurden bereits einige Tausend Jahre zuvor domestiziert. Diese zeitliche Reihenfolge
begründet sich weniger durch die Nützlichkeit einer Tierart für den Menschen, als
vielmehr durch deren natürliche Verhaltensweisen. Viele Tierarten, wie der Wolf oder die
Falbkatze, näherten sich mehr oder weniger freiwillig dem Menschen an. Bei einigen
Tierarten ist dieses Verhalten der Annäherung noch in der Neuzeit beobachtbar. So zum
Beispiel beim Wildschwein und beim Waschbären, die in einigen Städten die Nähe des
Menschen suchen und zum Teil beinahe (sinnbildlich gesehen) darum betteln, vom
Menschen domestiziert zu werden.
Anders das Wildpferd. Das Pferd ist ein in Herden lebendes Fluchttier, zum überleben
benötigt es weiträumige, relativ offene Weidegründe. Um erste menschliche Siedlungen
machten Wildpferde vermutlich einen größeren Bogen, es sei denn, dass sie sich in
vegetationskargeren Zeiten zuweilen von bestellten Äckern angezogen fühlten und diese
gelegentlich verwüsteten. Letzteres ist jedoch weniger wahrscheinlich, da Wildpferde
Steppengebiete als Lebensraum bevorzugten. Lebensräume, wie sie noch heute in der
ungarischen Puszta, in der Mongolei und in Nordamerika zu finden sind, wobei diese Gebiete
in Nordamerika allgemein als Prärien bezeichnet werden.
Wildpferde wurden bereits von steinzeitlichen Jägern als Beutetiere angesehen und bejagt.
Dass es sich einst so verhielt, darauf lassen Darstellungen von Pferden in der
Höhlenmalerei schlussfolgern und zusätzlich werden diese Schlussfolgerungen durch
paläontologische Funde bekräftigt. Seit dem Übergang zur Sesshaftwerdung in der
Jungsteinzeit hatte der Mensch vor rund 7.000 bereits einige Tierarten erfolgreich
domestiziert. Was läge nun näher als die Annahme, dass Wildpferde anfänglich
möglicherweise ebenfalls nur zur Fleischgewinnung domestiziert wurden, gezähmte Pferde
als Reit-, Last- und Zugtiere hingegen erst später eine Rolle im Leben des Menschen
spielten?
Diese Vermutung über die zeitliche Abfolge findet sich auch gelegentlich in der Literatur
wieder, mehr als eine Vermutung ist es jedoch nicht. Dagegen spricht, dass Pferde kaum per
pedes wie Schweine oder Schafe gehütet werden können, sondern eher von berittenen
Nomaden. Hirtenvölker, die Pferdezucht betreiben wollten, mussten wohl oder übel Reiten
lernen, um mit ihrem "Kapital" Schritt zu halten. Möglicherweise hat sich
beides parallel entwickelt und mit der Haltung der ersten Pferde als Fleischlieferanten,
lernte der Mensch das Pferd auch als Reittier zu nutzen.
Dass das Reiten nicht als treibendes Motiv bei der Domestizierung des Pferdes im
Vordergrund stand, ist hingegen vermutlich völlig richtig. Da bereits steinzeitliche
Menschen Pferdefleisch schätzen gelernt hatten, wird es für unsere Urahnen durchaus nahe
gelegen haben, Pferde als Fleischlieferanten zu domestizieren. Wobei die Verwertung des
Fleisches nur einen Teil der Nutzung ausmachte, doch dazu auf der nächsten Seite mehr.
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