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Beinbruch beim Pferd

Probleme und Chancen auf Genesung

Ob bei einer Veranstaltung im Reitsport, beim ausgelassenen Galoppieren auf der Weide oder bei einem gemütlichen Querfeldeinritt, Unfälle können überall vorkommen und vor einem Beinbruch ist kein Pferd gefeit. Den physischen Schmerz nach einem Beinbruch muss nur das Pferd ertragen, insofern es keinen Reiter trug, welcher verletzt wurde. Auf den Besitzer bzw. Pferdehalter können dafür, je nach Diagnose des Veterinärs, ernsthafte psychische Probleme zukommen. Spätestens dann wenn der eiligst herbeigerufene Tierarzt verkündet, dass es sich um einen komplizierten Beinbruch handelt, es schlecht um die Heilungsaussichten stünde und es vernünftiger sei das Pferd einschläfern zu lassen, um diesem weitere Leiden zu ersparen.

anatomische Ansicht des Hinterbeins eines PferdesDie wenigstens Halter möchten sich in dieser Situation von ihrem Pferd trennen und verstehen oftmals kaum, dass es bei aller Fortschritte in der Medizin noch keine humaneren Lösungen gibt. Doch hier unterscheidet sich die Humanmedizin von der Veterinärmedizin. Weniger in Beziehung auf den Fortschritt, da wurde in den letzten hundert Jahren viel erreicht, mehr in den Behandlungsmethoden. Einen verunglückten Menschen können Mediziner ins Bett legen und ruhig stellen, bei einem Pferd sieht es damit schlechter aus. Um bei Pferden einen ähnlich beruhigenden Zustand zu erreichen, müssten diese mit einem Sedativum ruhig gestellt (sediert) werden.
Hinzu kommt, dass einige Brüche sich kaum schienen lassen, vor allen dann nicht, wenn das Bein im oberen Bereich gebrochen ist. Bei einem Bruch des Oberschenkels könnte die Bruchstelle nur mit Schrauben, Platten und ähnlichen Hilfsmitteln fixiert werden. Ein schützender oder stützender Verband ließe sich hingegen, bedingt durch die Anatomie von Einhufern und anderen Vierbeinern, bei einem Beinbruch nicht anlegen.

Die Chancen für eine Genesung stehen oftmals besser, wenn beim verunglückten Pferd ein Bein im unteren Bereich geschädigt wurde. Doch unabhängig von der Stelle eines Beinbruchs kommt es in jedem Fall mit darauf an, ob es sich um einen glatten Bruch handelt, bei dem die Knochen sich möglichst nicht verschoben haben oder um einen so genannten Trümmerbruch.
Bei einem Trümmerbruch wird vermutlich ein Veterinär in der Regel empfehlen, dass verunglückte Pferd zu erlösen, da es bislang noch keine erfolgversprechenden Behandlungsmethoden gibt, die auf eine vollständige Heilung hoffen ließen. Ähnlich schlecht sieht es aus, wenn stark strapazierte Gelenke, wie dass Sprunggelenk, beim Unfall geschädigt wurden oder die Bruchstelle sich in der unmittelbaren Nähe eines Gelenkes befindet.
Ausnahmen gibt es, wie der Fall der Trakehnerstute Renaissance Fleur beweist, welche einen Trümmerbruch im Fesselgelenk erlitt und 3 Jahre später ihr ersten Fohlen zur Welt brachte. Dabei sollte der Pferdebesitzer nicht vergessen, Ausnahmen wären keine Ausnahmen, wenn sie nicht die Regel bestätigen würden. Eine kurze Zusammenfassung: Die Trakehnerstute Renaissance Fleur

Ein weiterer Umstand kommt hinzu, der die Behandlung einer verletzten Vorder- oder Hinterhand bei Pferden erschwert und den Unterschied zu gängigen Behandlungsmethoden in der Humanmedizin verdeutlicht. Ein gebrochenes menschliches Bein lässt sich zur Ruhigstellung eingipsen. Ein wenig anders sieht es bei Pferden aus.
Je nach Rasse bringen Pferde ein Gewicht zwischen rund 400 kg und 800 kg auf die Waage, Kaltblüter zum Teil noch mehr. Dieses wesentlich höhere Gewicht, im Verbund mit einem ungestümen Bewegungsdrang, spricht eigentlich gegen die Verwendung von Gipsverbänden bei Pferden. Dennoch werden Gipsverbände, eventuell auch in Verbindung mit einem Fiberglasverband, bei Verletzungen häufig zum Schutz und zur Stabilisierung des Beines verwendet. Ein Gipsverband kann unter Umständen in Fällen angebracht sein, in denen auf Grund des Befundes kein operativer Eingriff erforderlich ist, sondern eine Stabilisierung des Beines ausreicht. Wann und bei welchen Verletzungen oder Frakturen ein Gipsverband das Mittel der Wahl ist, kann nur der behandelnde Tierarzt entscheiden.

Um nun bei Pferden einen Beinbruch operativ zu behandeln, werden die gebrochenen Knochen in ihrer anatomisch korrekten Lage zusammen geschraubt oder genagelt und bei Brüchen, bei denen Schrauben allein nicht reichen, werden die Bruchstellen zusätzlich mit Platten und Schrauben fixiert. Platten, Schrauben und Nägel bestehen aus hochwertigen chirurgischen Stahl.

Nach einer Operation muss das behandelte Pferd in einer Box ruhig gestellt werden. Ob hierzu ein normaler Boxenaufenthalt bei gleichzeitiger Verabreichung eines Beruhigungsmittel ausreicht oder weitere Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der Kompliziertheit des Bruches und der Schwere des chirurgischen Eingriffes ab. Auch hier kann nur der behandelnde Tierarzt weitere Entscheidungen treffen. So muss oftmals bei komplizierten Frakturen nach dem operativen Eingriff das Bein entlastet und der Bodenkontakt des Pferdes vermindert werden.
Um in diesen Fällen eine Ruhigstellung des Pferdes und eine Entlastung des gebrochenen Beines zu erreichen, wird das behandelte Pferd mit Hilfe von Gurten und einem Flaschenzug so aufgehängt, dass der Bodenkontakt vermindert oder zum Teil auch gänzlich verhindert wird.
Gleichzeitig wird das Pferd durch die Verabreichung eines Sedativums, teilweise in Kombination mit einem Analgetikum um die Schmerzen zu unterdrücken, in einen Zustand versetzt, der einem psychischen Dämmerzustand entspricht. Im Gegensatz zur Narkose (Anästhesie) bleibt das Pferd bei eingeschränkten Bewusstsein und in verminderten Umfang ansprechbar, muss aber unter Umständen künstlich ernährt werden.

Hinweis: Dieser Beitrag soll lediglich dazu dienen, dem Leser einen kurzen Überblick über die Problematik eines Beinbruchs bei Pferden zu vermitteln, jedoch kein veterinärmedizinisches Fachwissen ersetzen. Eine Diagnose stellen und anhand dieser die Chancen für eine Genesung beurteilen, kann ohnehin nur ein Tierarzt vor Ort. Im Zweifelsfall sollte sich ein Pferdehalter jedoch nicht scheuen, bei einem Beinbruch die Meinung eines zweiten Veterinärmediziners einzuholen. So gibt es eine Reihe von hervorragend eingerichteten und nicht minder hervorragend ausgestatteten Pferdekliniken, in denen auf die Behandlung von Pferden spezialisierte Tiermediziner tätig sind. Doch auch diese können bei einem Beinbruch keine Wunder vollbringen, wie der Fall des Hengstes Barbaro anschaulicht: Der Hengst Barbaro und andere...

Ferner sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein operativer Eingriff und ein mehrwöchiger Aufenthalt eines verunglückten Pferdes in einer Pferdeklinik für den Besitzer zu einer recht kostspieligen Angelegenheit werden kann, falls im Vorfeld keine Versicherung abgeschlossenen wurde, die derartige Kosten übernimmt.

Es gibt unzählige Berichte von Pferdebesitzern, die belegen, dass Beinbrüche so gut wie vollständig verheilten. Zwar waren diese Pferde nicht mehr für den aktiven sportlichen Wettkampf einsetzbar, erfreuten sich jedoch als Freizeitpferd noch viele bester Gesundheit. Es sei nicht verschwiegen, es gab und gibt auch Fälle, in den Pferde nach Jahren noch unter Schmerzen litten.
 

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